Die nachstehenden Fragen wurden mir vor Kurzem von der Fachzeitschrift Health&Care Management gestellt. Hintergrund ist meine Beteiligung an der Initiative faxendicke.org mit angeschlossener Petition, die sich an das Bundesministerium Gesundheit richtet.

Dieses Posting beinhaltet die langen Antworten als transkribierten Text, da sich die Version der Redaktion sicher auf die wesentlichen Eckpunkte meiner Argumentation berufen wird. Neben mir beantwortet auch Prof. Heinz Lohmann, einige Fragen im Interview, die hier nicht aufgeführt werden. Das nächste Heft der Health&Care Management sei dem geneigten Leser daher besonders empfohlen.

Fragen zur Initiative #faxendicke

Die Fragen stellte Bianca Flachenecker von der Health&Care Management

Wie kam die Idee zu #faxendicke zustande, ehe sie von Connected Health und Dir ins Leben gerufen wurde?

Matthias Lau kam im Sommer auf mich zu und berichtete mir von den Plänen zum Projekt Faxendicke. Als CTO von Connected Health kümmert er sich um die technische Bewertung des Marktes in dem sich auch die von ihm mit dem Arzt Dr. Johannes Jacubeit ins Leben gerufenen Lösung Lifetime bewährt. Uns beiden ist das Fax aus ganz unterschiedlichen Perspektiven ein Dorn im Auge. Während er sich mit datenschutzkonformen Lösungen auf hohem technischen Niveau beschäftigt, sehe ich in der offensiven Befürwortung des Faxes durch Ärzte ein Symptom., sich aktiv der Anschlussfähigkeit zu verweigern. Das schadet vor allem einmal der Praxis. Aber auch dem Verhältnis zwischen Arzt und Patient. Denn Anschlussfähigkeit bedeutet Zukunftsfähigkeit. Auch im Sinne der Versorgungssicherheit. Mir war sofort klar, dass wir mit Faxendicke eine niedrigschwellige Möglichkeit der Auseinandersetzung bieten können. Wer heute als Arzt noch 10 bis 15 Jahre seine Praxis führen möchte und plant sich der Anschlussfähigkeit zu verweigern, wird es schon bald schwer haben, Schritt zu halten. Wer nicht angeschlossen ist, wird ausgeschlossen. Wer hier wen ausschließt, wird sich noch zeigen. Wahrscheinlich bestimmen aber die Patienten, welche Ärzte sie in Zukunft bevorzugen.

Welche nächsten Schritte habt ihr geplant?

Schon nach den ersten Woche ist klar; das Thema emotionalisiert und damit ist bereits ein wichtige Ziel erreicht. Denn die sachlichen Argumente gegen das Fax liegen ja schon länger auf dem Tisch. Das vermeintlich einfacher Thema ist ein dickes Brett. Zumal es selbstverständlich Unterschiede zwischen einem Fax, das über Telefonleitung gesendet wird und einer Datenübertragung von Gesundheitsdaten, die allen Beteiligten ein gewisses Maß an Sorgfältigkeit und Medienkompetenz abverlangt. Wir nutzen die Kampagne also auch weiterhin, um aufzuklären. Meine Teil sehe ich hier darin, die kulturellen Zusammenhänge zu erläutern, die ein zeitgemäßes Verhältnis zwischen Patient und Arzt ausmacht. Faxendicke wird jetzt Teil der HEALZZ.community über die wir mehr als 30.000 Akteure im Gesundheitswesen erreichen.

Ihr fordert auch die flächendeckende Umstellung der Kommunikations- und Versandwege im Gesundheitswesen. Was bringt es hier eine Forderung zu formulieren? Muss nicht besser konkret etwas unternommen werden und wenn ja, was kann das sein?

Es stimmt. Appelle sind nicht sehr beliebt. Dennoch liegt in der bewusst provozierten Kontroverse das Kalkül. Wir wollen allen am Gesundheitsgeschehen Beteiligten klarmachen, dass in der Nutzung bestehender und vor allem erprobter Technologien alternativ zum Fax eine riesige Chance liegt, den Rückstand in der Digitalisierung zu internationalen Gesundheitsmärkten aufzuholen. Dax Fax bremst und muss ausgebaut werden. Die aktuell als flächendeckendes Projekt bekannte eGK mit der Telematikinfrastruktur als Backbone hat leider sehr viel Vertrauen verspielt und Jens Spahn hat ja jüngst angekündigt, der Gematik in 2019 ein neues Rollenverständnis zu geben. Auch wenn der Vergleich hinkt. Wir brauchen auch hier einen breiten gesellschaftlichen Diskurs, ähnlich wie für die Organspende. Es wird nicht einer alleine richten. Gesundheitsdaten sind ein hohes Gut, das dem Einzelnen und uns allen als Gesellschaft helfen kann, Krankheiten besser zu verstehen. Vielleicht sogar, um einige von Ihnen mittelfristig heilen zu können. Dazu braucht es ein grundsätzlich neues Verständnis im Umgang mit diesen Daten, die wir derzeit noch über Faxgeräte verschicken. Zumal Daten im ökonomischen Wert nicht vergleichbar sind mit eine Ressource, die sich aufbraucht. Nur über eine stabile, flächendeckende und vor allem sichere Vernetzung des Gesundheitsgeschehens bekommen Gesundheitsdaten einen Nährboden, ihren Nutzen zum Wohl der Gesellschaft zu entfalten. Dabei steht die Befähigung und der Schutz des Einzelnen im Zentrum ohne auf die positiven Effekte einer Nutzung dieser Daten für uns alle verzichten zu müssen. Eine jüngere Studie bestätigt: Es besteht eine Bereitschaft der Bevölkerung, die eigenen Nutzungsdaten einem höheren Zweck zuzuführen, wenn geklärt wird, wie wir das bewerkstelligen.

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