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Herzensangelegenheit in Apple Keynote war nicht das neu vorgestellte iPhone

Während wir uns über animierte Emoticons amüsieren, verändert Apple sich vor unseren Augen zu einem smarten Anbieter für Medizintechnik. Apple Keynote aus einer anderen Perspektive.

Während wir uns über animierte Emoticons amüsieren, verändert Apple sich vor unseren Augen zu einem smarten Anbieter für Medizintechnik.

Apple hat geliefert. Die Fans reagieren verhalten. Der Jubel war bei Vorstellung neuer Produkte schonmal größer. Man hat sich an die „amazing new“ Herbstbotschaften aus dem Hause Apple wohl zu sehr gewöhnt. Keine neuen Gesichter. Die alten Geschichten. Verlässliche Dramaturgie. Gelassenheit ist spürbar. Überall. Trotz einer perfekten Show vor Apfeljüngern im neuen Steve Jobs Theatre des kürzlich eröffneten Apple Campus´. Die live übertragene Keynote im Netz schien nur noch etwas für Randgruppeninteressierte? Vielleicht weil sie als Privileg ausschließlich auf Apple Geräten live übertragen wurde.

Der wesentliche Moment war nicht die Vorstellung der neuen iPhone Generationen

Die Botschaft des Abends, die Apple mit der Keynote zwar an den großen Nagel hängte, die aber mit den ersten Kommentaren im Netz weniger stark berücksichtig wurde, verweist auf eine Studie, die Apple gemeinsam mit Stanford Medicine durchführen wird. Man habe sich die Problematik Vorhofflimmern (atrial fibrillation) seit einigen Jahren angesehen. Mit dem Produktstart der neuen Apple Watch Series 3 startet das wissenschaftliche Projekt noch in 2017. In der Apple Watch Series 3 versteckt sich offenbar der beste Heart-Rate-Monitor, der je in einem vernetzten Gadget verbaut wurde. Series 3 kann außerdem jetzt selbst 4G. Darüber hinaus wird die Verbreitung der Smartwatch inklusive seiner Vorgänger Modelle so groß sein, dass es interessant wird, Vorhofflimmern und mutmaßlich damit in Verbindung stehende Erkrankungen aktiv zu erforschen.

Ein konkretes Datum für den Start der Herzstudie wurde am Abend nicht genannt. Nur, dass die Studie noch in diesem Jahr über den Appstore verfügbar sein wird. Kein Apple Nutzer wird also zwangsverhaftet, sondern darf sich über ein Opt-in, in die Studie einschreiben.

Apple berücksichtigt immer stärker die weniger gesunden Nutzer

Die Apple Fans sind sich einig. Mit den neu vorgestellten Apple Produkten erfüllt Apple die Erwartungen seiner Fans. Insbesondere das iPhone X (10) scheint ein wenig von dem Pioniergeist zurückzubringen, der mit Steve Jobs so schmerzlich vermisst wird. Auch an diesem Abend. Wer genau hinschaut, bemerkt: Langsam aber sicher verlagert Apple seine Visionen in das Feld der smarten Medizintechnologien. Das passiert vor unseren Augen. Aber wir sind geblendet von funkelnden, neuen iPhone Modellen. Die neue Apple Watch und die Studie wird gleich zu Beginn vorgestellt. Alle warten aber auf das neue iPhone 8. Und Apple geht diese Dramaturgie mit, will nicht enttäuschen, aber verzichtet auch nicht darauf, das wahrscheinliche Next-Big-Thing in seiner Keynote zu präsentieren. Vielleicht ist noch nicht die Zeit dafür, das Thema zu groß auszurollen, weil andere Dinge die Nutzer mehr interessieren. Ganz sicher braucht man noch Zeit. Symptomatisch dafür stehen die mit dem neuen Feature Face-ID und iOS 11 kommenden, animierten Emoticons für die man bei der Keynote mehr Platz reservierte als für Detailfragen zu den medizinischen Ambitionen. Man ist noch nicht soweit. Also irgendwie schon. Die Zusammenarbeit mit der FDA, der obersten Aufsichtsbehörde der USA, die dem Gesundheitsministeriums unterstellt ist.

Für mich liegt das Geheimnis von Apple nicht in der Tatsache, dass man ein iPhone vorstellt, das vollständig aus einem Display besteht und vielleicht nochmal stärker funkelt und glänzt als seine Vorgänger. Nein, erstmals tritt Apple mit der erwähnten Herzstudie aus dem Schatten des Verdachts, nur einige Fitness- und Gesundheitsspielereien zu präsentieren.

Darauf deutet auch die zum Anfang August bekannt gewordene Vergabe eines Patents hin. Demnach soll das iPhone zum Rundum-Überwachungsgerät für die Gesundheit werden. Und die Ansprüche reichen soweit, dass man mit hauseigenen Gadgets (eben auch der Apple Watch) Werte erheben möchte, die näher an die ärztliche Arbeit heranreichen als man das von technologischen Konsumgütern bislang gewohnt ist. So ändert sich die Fokussierung des Technologieriesens auf die Medizin. Nicht mehr der gesunde Fitness-Nerd zählt zur Zielgruppe. Mit der demographischen Entwicklung bemüht man sich professionell um den Wachstumsmarkt der Zukunft. Das US-Patentamt hat Apple ein Patient erteilt, das auf ein integriertes System der Gesundheitsmessung und -überwachung hinweist.

Langsam aber sicher wandelt sich Apple zu dem, was kritische Bedenkenträger seit Jahren als Angstszenario für den traditionellen Arztberuf anführen. Der Konzern mit dem Anspruch, das Leben seiner Kunden mithilfe von smarten Technologien einfacher zu machen, wird sich beim Thema Gesundheit nicht aussperren lassen und weiterhin lieber goldene und space-graue Glaskästchen mit Kameras verkaufen. IBM und Google sind mit ihren Projekten für künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch. Apple hat hier Schwierigkeiten und muss sich darauf konzentrieren, ein von den anderen noch wenig beachtetes Spektrum zu erobern. Google mag hier schon auf einem guten Weg sein. Was Apple mglicherweise besser kann, ist die Integration von medizinischen Gadgetsin den Alltag der Menschen. Internetmedizin at its best.

Design wird entscheidend werden

Apple konnte immer schon dort punkten, wo für andere Hersteller der Preis das zentrale Kriterium war. So bemerkt ein Twitternutzer während der laufenden Keynote, das die Kunst nicht darin bestehe, 1,2 Milliarden iPhones zu verkaufen, sondern diese Anzahl für einen durchschnittlichen Preis von über 600 US$.

Wie ich bei meinen Freunden von DESIGNLOVR zurecht lese: Früher war es der Preis, heute ist es die Qualität und morgen ist es Design. Ganz sicher waren und ist diese Überlegung der Anspruch, den Apple sich schon Jahrzehnten gibt.

Wir dürfen Design nicht mit der deutschen Übersetzung verstehen, es ginge allein um ein hübsches Antlitz. Es dreht sich darum, ein Produkt konsequent integrativ in das Leben der Menschen einzubetten. Es geht um Kreationen, die der Nutzer nicht ablehnen kann, wenn die Ideen Lösungen versprechen, die andere nicht bieten können. Das scheint mit dem Smartphone gelungen. Insbesondere Apple beweist das mit iOS als stabiles und zuverlässiges Betriebssystem. Wer es sich leisten will, kauft das Design, nicht nur die Qualität und der Preis interessiert dann erst recht nicht. Chronische Herz-Patientinnen und Patienten, die in 10 Jahren eine Armbanduhr tragen, die lebensverlängernde Funktionen bietet, wird völlig normal sein.

Fazit zur Apple Keynote Herbst 2017

Der nächste logische Schritt an dem Apple offenbar arbeitet, ist der, Medizintechnologie, die heute noch in Kliniken, Instituten und medizinischen Zentren steckt, so funktional und benutzerfreundlich in das Leben seiner souveräner Nutzer hineinzutragen, dass deren disruptiven Kräfte die Gesundheitsbranche auf den Kopf stellt, während diese sich noch mit einer Optimierung der Qualität unter Anwendung herkömmlicher Methoden kümmert.

Design ist eine Lebenseinstellung und was Apple betrifft eine Unternehmensphilosophie. Auch wenn das Mutmaßliche meiner Überlegungen hier – bezugnehmend auf den Outcome der wissenschaftliche Offensive in der Herzmedizin – heute kaum vorstellbar scheint und Herzspezialisten abwinken. Die Welle der Sensorik ist auf ihrem Weg und wird die ärztliche Selbstwirksamkeitserwartung erschüttern. So wirkt es nicht ganz zufällig, wenn Apple das Motiv einer Surferin wählt, die uns die Apple Watch Series 3 vorstellt, während sie oben auf der Welle reitet und wir von unten zuschauen. Der Gesundheitsbranche bleiben nur noch wenige Jahre, das zu verstehen. Vielleicht ist es dafür sogar schon zu spät. Die Auseinandersetzung hat längst begonnen.

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Die Anwesenheit des Internets als exogene Quelle für Veränderung und Wandel lässt die Gesundheitsbranche bedrohlich, unangenehm und teils überfordert aus der Stresstoleranz kippen. Deshalb findet man Frank Stratmann im Netz unter dem Pseudonym betablogr.
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