Zusammen mit Heinz Lohmann habe ich dem Health&Care Management Magazin ein Interview gegeben. #faxendicke

„Bis jeder Stecker gezogen wurde“, meine ich. Kaum zu glauben, wie sehr dieses Thema die Akteuere im Gesundheitswesen emotionalisiert. Ich beginne erst, zu verstehen, warum das so ist. In jedem Fall finde ich es verstörend wie sich unser Gesundheitssystem in der Verteidigung eines seit 2005 nicht aktualisierten Fax-Standards ereifert, um personenbezogene, teil sensible Daten zu übertragen.

Natürlich ist die Datenübertragung über eine Faxleitung etwas anderes als das Versenden von Gesundheitsdaten über das Internet. Doch bewusst gegen die DSGVO zu verstoßen, scheint für viele die Lösung. Das erinnert an das Weggucken bei Dieselfahrverboten, die jetzt bejammert werden, weil sie durchgesetzt werden.

Die wichtigsten Aspekte unserer Argumentation

Wer in der Praxis ein Multifunktionsgerät betreibt, das in seiner Logik im Netzwerk der Praxis hängt, kann die Hoheit über seine Praxis verlieren. Das hat FaxPloit gezeigt.

Damit sind grundsätzlich auch Daten anderer Patienten betroffen, auf die in diesem Fall zugegriffen werden kann, sollte auf diese Weise eine Schadsoftware eingeschleppt werden.

Gesundheitsdaten, die über Fax verschickt werden, sind grundsätzlich unverschlüsselt und liegen häufig offen in der Praxis herum und sind so gegebenenfalls auch für fachfremdes Publikum zugänglich.

Die Verweigerung, sich anschlussfähig zu zeigen, versperrt eine bereits verpasst aber logische Weiterentwicklung unserer Versorgung mit dem Anspruch an eine Zukunftsmedizin, die mithilfe von Daten neue Erkenntnisse ermöglicht. Sicher hängen diese Entwicklungen von vielen weiteren Entscheidungen ab. Aber eine wichtige Schwelle wäre genommen, wenn wir endlich verstehen, worum es zukünftig geht.

Gesundheitsdaten zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben, hängt nicht vom Erhalt des Faxgeräts ab, sondern von der Vernetzung des Gesundheitswesen auf hohem Niveau. Das Faxgerät vereitelt diese Entwicklungen. Mag es praktisch sein in dem einen Augenblick. Das Faxgerät bietet eine Barriere, sich jeglicher Auseinandersetzung zu entziehen.

Das National Health System (NHS) hat die Neuanschaffung von Faxgeräten mit sofortiger Wirkung verboten. Ab 2020 müssen alle Faxgeräte außer Betrieb genommen werden. In Österreich dürfen Faxe nur im Notfall verschickt werden. Die Warnungen des Landesbeauftragten für den Datenschutz bieten für Skeptiker eine sinnvolle Lektüre.

Wer der Initiative #faxendicke unterstellt, sich um Lappalien zu bemühen, dem sei gesagt, dass wir mit diesem Projekt eine niedrigschwellige Auseinandersetzung bieten, sich der datengetriebenen Medizin und allgemein den Digitalisierungsbemühungen zuzuwenden.

Hier geht es zum Interview im Magazin der Health&Care Management.