EN DE

Datenspende: 45 Prozent der Bundesbürger wünschen sich Opt-In

Der Diskurs in sich verändernden Gesundheitsmengen orientiert sich an der Abwägung, was wichtiger sein wird. Gesundheits- und Datenschutz sind den Bundesbürger gleich wichtig. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage der Bundesdruckerei GmbH hervor.

Der Diskurs in sich verändernden Gesundheitsmärkten orientiert sich an der Abwägung, was wichtiger sein wird. Gesundheits- und Datenschutz sind den Bundesbürger gleich wichtig. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage der Bundesdruckerei GmbH hervor.

Bundesdruckerei bietet repräsentative Umfrageergebnisse

In einer Pressemeldung berichtet das Unternehmen über seine im Sommer durchgeführte Befragung. Den Deutschen fällt es offensichtlich schwer, abzuwägen. Vor die fiktive Wahl gestellt, sich grundsätzlich zwischen Gesundheitsschutz und Schutz der personenbezogenen Daten entscheiden zu müssen, entscheiden sich die meisten Deutschen für beides.

Eine differenzierte Betrachtung zeigt jedoch deutliche Unterschiede; zum Beispiel in den Generationen. Mit zunehmendem Alter sinkt die Bedeutung des Datenschutzes im Vergleich zum Gesundheitsschutz. In der Gruppe ab 55 Jahre spielt der Schutz personenbezogener Daten nur bei jedem Zehnten (9 Prozent) eine höhere Rolle als der Gesundheitsschutz. Bei den 18 bis 24-Jährigen ist es hingegen mehr als jeder fünfte (22 Prozent).

Unter welchen Umständen Bürger ihre Gesundheitsdaten zu Forschungszwecken zur Verfügung stellen sollten, wurde ebenfalls in der Umfrage erhoben. Fast die Hälfte der Befragten (45 Prozent) wünscht sich, dass diese sogenannte Datenspende auf freiwilliger Basis der einzelnen Patienten geschieht – und zwar als sogenannte Opt-In-Regel, also nur nach aktiver Freigabe durch den Betroffenen. Jeder Fünfte (18 Prozent) kann sich sogar eine Opt-Out-Lösung vorstellen. Demnach würde erst durch einen aktiven Widerspruch verhindert, dass Gesundheitsdaten genutzt werden dürften.

Gesundheitsschutz versus Datenschutz

Und tatsächlich leidet der Diskurs unter einem Dilemma. Einerseits werden immer mehr Gesundheitsdaten erhoben. Sei es durch die Menschen selbst. Vor allem aber auch im klinischen Bereich. Je mehr Daten erhoben werden, desto größer die Chance für einen Missbrauch, warnen Datenschützer. Andererseits sind Gesundheitsdaten wichtiger denn je, um Krankheiten besser zu verstehen und individuelle Therapien (Precision Medicine) zu empfehlen. Daten werden gebraucht. Zumindest, wenn sie in Güte qualitativ und im Kontext wichtig sind. Eine klare Abwägung ist fast unmöglich.

Umso wichtiger erscheinen Initiativen wie AIQNET. Das Ökosystem für medizinische Daten setzt nicht nur selbstverständlich höchste Maßstäbe für den Datenschutz an, sondern orientiert sich in seiner Arbeit an europäischen Werten, diese Daten im Sinne einer datengestützten Medizin einzusetzen. Auf der von 16 Partnern getragenen Plattform arbeiten Industrie (Medizintechnik, Life-Science) und Krankenhäuser eng mit Entwicklern von Anwendungen zusammen. Anwendungen, die sich diese Daten zunutze machen; auch mit Blick auf ökonomische Weiterentwicklungen, die letztlich allen Menschen, Bürgern und Versicherten im deutschen Gesundheitswesen zugutekommen werden. In logischer Konsequenz profitiert auch der Patient von einem Nutzen, wenn der seine Daten zur Verfügung stellt. Das zumindest muss ein zentraler Leitgedanke werden.

Individuum oder Kollektiv

Der Diskurs um Gesundheits- und Datenschutz orientiert sich dabei auch an der Frage, ob wir in unseren westlichen Demokratien das Individuum oder das Kollektiv in der Abwägung geeigneter Aspekte zum Schutz von Gesundheit und Daten gleichermaßen bevorzugen. Egal ob in China oder Japan; dort steht das Kollektiv in diesen Fragestellungen über dem Individuum. Auch deshalb lassen sich Entscheidungen – unabhängig von der Staatsform – einfacher durchsetzen. Der Widerspruch dort ist ein anderer. Daraus kann keine Empfehlung für Deutschland oder die Europäische Union abgeleitet werden. Doch dürfte sich der Diskurs in den nächsten Jahren genau an dieser Fragestellung orientieren.

Diskutiere gern mit mir über diese und andere Fragen am Rande der Pandemie. Gehörst Du eher zu den 45 Prozent, die eine Datenspende nach dem Opt-in Prinzip bevorzugen oder geht Dir das nicht weit genug? Welche Prämisse legst Du zugrunde? Schützen wir das Individuum oder lassen wir uns vom Schutz des Kollektivs leiten? Ich bin gespannt auf Deine Antwort. Vielleicht im Rahmen eines Zeitgeschenks.

Teile diesen Beitrag

Share on linkedin
Share on twitter
Share on xing
betablogr

betablogr

Die Anwesenheit des Internets als exogene Quelle für Veränderung und Wandel lässt die Gesundheitsbranche bedrohlich, unangenehm und teils überfordert aus der Stresstoleranz kippen. Deshalb findet man Frank Stratmann im Netz unter dem Pseudonym betablogr.
Mein Zeitgeschenk an Sie oder Dich. Ein Moment Aufmerksamkeit und Meinungsaustausch für Deine Themen. Gern als erste Kontaktaufnahme.

Eine Antwort

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Glaubenssätze sind nur Gerüchte über uns selbst

Ausreden, um nicht mit etwas beginnen zu müssen, erscheinen als Glaubenssatz und damit als Gerücht im Wesen einer Wertung, die uns vom Eigentlichen abhält. Glaubenssätzen zu begegnen, klingt oft einfacher als es ist. Sokrates bietet uns eine Spur und auch die leiblichen Erfahrung von Wut.

weiter lesen