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Digitale Gesundheitskompetenz schwierig

Es wird Zeit, die Chance anzuerkennen, die die Umfrage der AOK hinsichtlich digitaler Gesundheitskompetenz verdeutlicht.

Die AOK hat eine Umfrage durchführen lassen. Der Umgang mit digitalen Angeboten und Informationen fällt jedem Zweiten schwer. Die Studie bewertet vor allem die digitale Gesundheitskompetenz.

Zwei Thesen zum Umgang mit Ergebnisse zur digitalen Gesundheitskompetenz

Hier werden zwei Aspekte des Lebens in einer digitalen Gesellschaft miteinander verknüpft, die ich außerdem der allgemeinen Mitteilung zu den Ergebnissen, kurz näher besprechen möchte. Dazu stelle ich zwei Thesen in den Raum:

  1. Menschen, die mittlerweile Stunden an ihrem Smartphone verbringen, kennen sich besser aus, als der Gesundheitsmarkt mit der Umfrage unterstellt. Es gibt offenbar Angebote, die verstanden werden und unterhaltsam genug sind, die Nutzer zu binden. Die Formulierung, „die Menschen kommen nicht mehr mit“, liegt also vielleicht daran, dass sie sich nicht aktiv den Angeboten von Krankenkassen, Krankenhäusern und Arztpraxen oder vergleichbaren Organisationsformen zuwenden, weil diese dem Gusto des Internetnutzer 2020 nicht entsprechen. Zugegeben: Die Recherche nach gesundheitsbezogenen Informationen ist kein Candy Crash. Doch die Zugänglichkeit, die Anschlussfähigkeit undBenutzerfreundlichkeit von Angeboten im Gesundheitsmarkt findet seit Jahren keinen Anschluss an die rasanten Entwicklungen. Es wird Zeit, sich aktiv darum zu kümmern.
  2. Medienkompetenz entsteht nicht durch reines Konsumieren. Eine qualitative Bewertung von Gesundheitsinformationen korreliert zwar mit dem Bildungsstand der Menschen. Doch auch hier herrscht in den Angeboten rund um Gesundheitsinformationen noch zu viel massenmediales Paradigma. Der Dialog und die Co-Creation sollte in den nächsten Jahren im Mittelpunkt stehen. Nur so wächst die Medienkompetenz, die eine Basis schafft für die Progression einer digitalen Gesundheitskompetenz. Tatsächlich scheinen laut AOK-Umfrageergebnis jüngere und gebildete Nutzer besser klarzukommen. Daraus zu schließen, das würde sich alles von selbst ergeben, wäre fatal. Abgehängt wird nicht der Nutzer, sondern die Organisationen im versorgenden Gesundheitsmarkt, deren Erlösmodelle sich nicht an der Bereitstellung adäquater Informationen oder der Prävention und dem Umgang mit chronischen Krankheiten im Rahmen eines persönlichen Gesundheitsmanagements orientieren.

Es wird Zeit, die Chanc anzuerkennen, die diese Umfrage der AOK noch einmal verdeutlicht.

Informationsangebote von Gesundheitseinrichtungen bedienen nicht die Bedürfnisse der Nutzer

Versorgende Gesundheitsunternehmen sollten den Markt für Gesundheitsinformationen nicht denen überlassen, die rein absatzorientierte Begehrnissteigerung im Blick haben. Informationsangebote, die nicht unmittelbar unter Mitwirkung des ersten Gesundheitsmarktes im Netz zu finden sind, verfolgen oftmals Ziele, die dem Überwachungskapitalismus zuzuordnen sind. Sie arbeiten aktiv mit dem Verhaltensüberschuss der Menschen, die sich in Krankheits- und Gesundheitsfragen orientieren. Orientierung geben sollten die Organisationen, die aktiv am allgemeinen und speziellen Gesundheitsgeschehen beteiligt sind.

Es ist wenig hilfreich, eine mangelnde digitale Gesundheitskompetenz zu benennen, als vielmehr das Unvermögen der Gesundheitseinrichtungen, sich aktiv an der Wissensvermittlung zu beteiligen. Diese Beteiligung müsste über Aufklärungsgespräche und das Überreichen von Flyer und Broschüren, ja sogar Blogposts auf der eigenen Praxis- oder Krankenhaus-Homepage hinausgehen.

Disclaimer: Ich stütze meine Gedanken auf jahrelangen Erfahrungen, das Thema Gesundheitskompetenz aus der Perspektive eines Kommunikationsmanagers in Krankenhäuser und Arztpraxen einzutragen. Ich habe die Umfrageergebnisse nicht vollständig gelesen, sondern beziehe mich vor allem auf die Hinweise aus der Ärztezeitung (online) vom 08.12.2020.

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Die Anwesenheit des Internets als exogene Quelle für Veränderung und Wandel lässt die Gesundheitsbranche bedrohlich, unangenehm und teils überfordert aus der Stresstoleranz kippen. Deshalb findet man Frank Stratmann im Netz unter dem Pseudonym betablogr.
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Eine Antwort

  1. Gerade dem ersten Aspekt stimme ich zu. Dazu folgender Gedanke:

    Viele Menschen können ihre mangelnde „digitale Kompetenz“ überwinden, wenn denn die Technik einfach (z.B. Bedienung von Skype oder WhatsApp) und das Ziel lohnenswert (Austausch mit Enkeln, Kindern,Verwandten) sind.

    Bei digitalen Angeboten aus dem Gesundheitswesen ist meine Erfahrung, dass sie potenziellen Nutznießern (a) oft gar nicht bekannt sind, (b) eine zu große Auswahl (inklusive vieler schlechter Angebote) existiert.

    Dazu kommt, dass der Nutzen meist nicht bekannt genug ist, damit Betroffene die vorhandenen Hürden zur Nutzung überwinden.

    Deshalb benutze ich in meinem Blog und meinen Büchern konkrete Beispiele aus meinem Alltag, in denen ich von digitalen Angeboten profitiert habe und beschreibe z.B. mit Screenshots auch genau, welche Anwendungen ich dazu wie genutzt habe. So konkret wie möglich.

    Das wäre ein Weg, um aktuell schon (bei vorhandenen Angeboten) Betroffenen zu helfen, ihre digitale Gesundheitskompetenz „durch gutes Beispiel“ zu erhöhen.

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