Ein unmoralisch röstaromatisches Angebot

Etwas wehmütig fixiert mich die Kaffeefachverkäuferin einer Filiale eines bekannten Röstspezialisten mit verlängertem Non-Food-Sortiment.

Etwas wehmütig fixiert mich die Kaffeefachverkäuferin einer Filiale eines bekannten Röstspezialisten mit verlängertem Non-Food-Sortiment. Höflich hatte ich zuvor gefragt, ob ich fünf Minuten vor Ladenschluss noch etwas zu erwarten habe. Meine Dankbarkeit, am Samstagnachmittag noch schnell ein halbes Pfund meines bevorzugten Café Creme zu ergattern, sollte schamlos ausgenutzt werden.

Während die von mir genannte Kaffeesorte zur Kenntnis genommen wurde und ich mich im Laden umzuschauen gedachte, verwies sie verführerisch auf eine gerade neu eingetroffene Kaffeespezialität. Eine Rarität, wie mir versichert wurde. Aus genannter Dankbarkeit wendete ich mich der vermeintlichen Schönheit zu und beäugte die in üblichem Einschlag dargebotenen ganzen Bohnen. Das Antlitz lies kaum auf etwas besonderes schließen und so fragte ich unter dem Raspeln der Kaffeemühle, was die Sorte denn könne, das sie so besonders mache. Mir wurde dargelegt, dass es sich tatsächlich lediglich um eine Einmaligkeit handele und ich diese Chance unbedingt ergreifen müsse.

Einen letzten Einwand brachte der Verkäuferin und sehr wahrscheinlich mir selbst vor. Ich konfrontierte die Verkäuferin mit meinen Bedenken, ob der Möglichkeit, dass wenn die Kaffeesorte hielte, was sie über ihre Einzigartigkeit hinaus vielleicht außerdem verspreche, sie – die Dame hinterm Tresen – die Verantwortung übernähme. Nämlich für den Umstand, dass wenn ich mich in die Kaffeeschönheit verlieben würde, ein ungestilltes pubertäres Trauma angesprochen werde, das mich in eine Tiefe Depression stürzen könnte. Schließlich ist Einmaligkeit einerseits schön. Doch mit ihrem unwiederbringlichen Entschwinden eine Verantwortung einherginge, um die ich mir bewusst sei.

Das durch die Kollegin hintergründig ausgelöste Klappern der Rollcontainer mit für die nächste Woche eingetroffenen Aktionsartikel, die auf ihre Ausstellung warteten, überstimmte die Stille der Verwunderung. Wechselseitige Verwunderung, die sich mit einem Lächeln auf meiner Seite nicht ganz verflüchtigen ließ und kurz darauf in einem Café die Straße runter zu diesen Zeilen führte.

Folgen Sie dem Hashtag #draussennurkaennchen auf Instagram und erfreuen Sie sich gelegentlich an fotografischen Ablichtungen eine gedeckten Kaffeetafel, die ich auf diesem Wege mit Ihnen teilen möchte.

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