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Erinnerung an Verstorbene im Gesundheitswesen

Frank Stratmann
Wer im Krankenhaus arbeitet ist einem erhöhten Risiko naturgemäß ausgesetzt, sich mit SARS-Co-V2 zu infizieren und es sterben Menschen daran in Folge der Ausübung ihres Berufs

Im Jahr 2018 hatten fünf PflegewissenschaftlerInnen die Idee für einen Podcast. Er nennt sich ÜBERGABE – Der Podcast und markiert damit einen neuralgischen Punkt der täglichen Arbeit in der Pflege. Und nicht nur das. ÜBERGABE thematisiert in seinem Podcast auch den Übergang in eine hoffentlich neue Zeit Angehörige der Gesundheitsberufe. Allen voran für das Selbstverständnis der Pflege.

In der Coronakrise ist der Podcast besonders publikumswirksam. Viele Menschen hören derzeit das CORONA SPEZIAL und hier kommen in Interviews auch Funktionäre, Politiker und Experten zu Wort, die sich mit den Fragen aus der Perspektive der Pflegenden auseinandersetzen dürfen.

Website als Kondolenzbuch

Gestern Abend erklärten die Macher von ÜBERGABE – Der Podcast in einem 6-teiligen Tweet, warum sie eine Website eingerichtet haben, um an die Verstorbenen zu erinnern, die an der durch das SARS-Co-V2 Virus ausgelösten Krankheit COVID-19 verstorben sind. Die Website soll bleibende Erinnerung und vor allem Mahnung sein, sich mit den Folgen der Pandemie insbesondere für Angehörige der Gesundheitsberufe auseinanderzusetzen. Und zwar über die Coronakrise hinaus. Denn wir behalten die Hoffnung, dass das alles irgendwann ein Ende hat und nichts ist flüchtiger als die Erinnerung an den Tod.

Hoffnung haben alle, die sich jeden Tag den Unsicherheiten aussetzen. Es besteht eine reale Gefahr, an COVID-19 zu erkranken. In Folge der Ausübung des Berufs. Und es besteht die reale Option, an dieser Krankheit zu sterben. Nicht, weil diese PflegerInnen, ÄrztInnen und andere Beteiligten zu einer Risikogruppe gehörten. Wir wissen nach wie vor zu wenig über das Virus und die Krankheit und dieser Tage gibt es immer mehr Hinweise, das COVID-19 möglicherweise deutlich gefährlicher ist als z.B. eine Influenza. Menschen, die in Folge einer Influenza-Infektion sterben, sterben meist an einer Begleiterkrankung, z.B. durch eine bakterielle Infektion der Lungen aufgrund der Schwächung. COVID-19 jedoch befällt selbst die Lungen und repliziert bereits im Hals-Nasen-Bereich, was die Ansteckung deutlich erhöht. Entscheidend ist die Viruslast und auch hier gibt es derzeit noch zu wenige Erkenntnisse, warum z.B. ausgerechnet in Schlachtbetrieben ein erhöhtes Ansteckungsrisiko besteht.

Wer im Krankenhaus arbeitet ist einem erhöhten Risiko naturgemäß ausgesetzt, sich mit SARS-Co-V2 zu infizieren und es sterben Menschen daran in Folge der Ausübung ihres Berufs. Darauf will ÜBERGABE – Der Podcast aufmerksam machen.

Deshalb gibt es ab jetzt diese Website. Todesfälle, die im Zusammenhang mit COVID-19 bekannt werden, dürfen ab sofort gemeldet werden. Den PflegewissenschaftlerInnen geht es nicht um eine Statistik oder eine andere form der Auswertung, sondern allein um das Gedenken. Sie schreiben auf der Seite:

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, liebe Hinterbliebenen, durch die COVID-19 Pandemie sind bereits viele Menschen verstorben. Beschäftigte im Gesundheitswesen versorgen Betroffene und sind gleichzeitig dem Risiko einer Infektion ausgesetzt. Leider sind Berichterstattungen über Personen, die im Gesundheitswesen tätig waren und durch eine Infektion mit COVID-19 verstorben sind, sehr selten. Daher möchten wir … gemeinsam genau diesen Menschen gedenken.

Dieser Beitrag will auf diese Aktion hinweisen und wir glauben, dass darüber gesprochen werden darf. Diskutieren wir doch diese Idee. Was haltet Ihr davon? Gern als Kommentar unter diesem Beitrag. Oder im respektvollen Dialog über Soziale Medien.

Disclaimer: Die hier vorgestellte Website ist gerade erst gestartet. Aus Gründen der Pietät wird sicher jeder Fall gründlich geprüft. Daher findet man am 20.05.2020 mittags noch keine veröffentlichten Fälle. Das wird sich in der nächsten Tagen sicher ändern.

Weitere Informationen zur ÜBERGABE – Der Podcast findet Ihr unter uebergabe.deund die Sendung selbst auf den einschlägigen Podcast Plattformen.

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Die Anwesenheit des Internets als exogene Quelle für Veränderung und Wandel lässt die Gesundheitsbranche bedrohlich, unangenehm und teils überfordert aus der Stresstoleranz kippen. Deshalb findet man Frank Stratmann im Netz unter dem Pseudonym betablogr.

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