Heute ist der Tag an dem die ersten Menschen wieder der Spezies Kollege über den Weg laufen. Und was muss man sich dann nicht alles anhören. Von kurz und bündig bis ausgiebig entgrenzt wird sich wechselseitig erzählt wie toll Weihnachten war und natürlich ist man gut reingekommen. Ins neue Jahr.

Abgesehen von der Tatsache, dass der Jahreswechsel als zeitliches Konstrukt eine Grenze markiert, die das Universum mit seinen 13,82 Milliarden Jahren auf dem Buckel gar nicht kennt, also eher ein kulturelles Ritual markiert, um irgendetwas zu beenden, was dann gleich wieder neu starten soll, ist mir aufgefallen, wie heuchlerisch, fast peinlich wir uns in die Tasche lügen, das alles ganz wunderbar war. Quasi amazing.

Ich hatte tatsächlich eines der schönsten Weihnachten der letzten Jahre. Das darf ich hier behaupten. Aber tatsächlich bin ich auch froh, dass es bald wieder los geht. Gerade sitze ich auf dem Kahlen Asten, dem Dach von NRW. Es stürmt Schnee. Ich bin glücklich, diesen Tag nutzen zu können, um eine Wanderung im Schnee einbauen zu können. Und zwar, weil es dieses Ritual gibt, sich zwischen Weihnachten, Neujahr und den ersten Tagen im neuen Jahr etwas zurückgezogen zu zeigen. Trotz Instagram, Whatsapp und Facebook Status.

Viele von uns sind überdrüssig der Glückpostings in Sozialen Medien. Ist das wirklich das Leben des anderen, fragen wir uns manchmal. Inszenierung wo man hinschaut. Es wird kritisiert, dass wir die nicht so stimmigen Momente ausblenden. Mit unseren Kameras frieren wir die Glücksmomente ein, die uns Ende dieses Jahres so ein wenig bewusster geblieben sind. Das hat offensichtlich einen Wert. Denn unsere Archive eignen sich hervorragend, um in ungünstigen Stimmungslagen zurückblicken zu können. Was früher das Fotoalbum leistete, das uns weit in die Vergangenheit entführte, sind es heute unsere Statusarchive der sozialen Netzwerke. Nur blicken wir dort auch in die letzten Woche. Ist es eigentlich gefährlich, sich einzugestehen, was nicht alles so lief, wie wir es uns vorgestellt haben?

Deshalb frage ich mal in die Runde: Was ging bei Dir vor zwischen und nach Weihnachten in 2018 daneben? Sei mal ehrlich. Ich freue mich auf die nicht so rosigen Kommentare, die mir veranschaulichen, dass auch Ihr da draußen ein ganz normales Leben führt. Ich bin sehr gespannt.

Mir persönlich stieg in den letzten Tage diese Trägheit extrem in den Kopf. Diese Ruhe wurde unerträglich, so dass ich mir für die ersten Tage des Jahres Aktivität auferlegt habe. Parallel zur körperlichen Anstrengung werde ich meinen Gedankenapparat wieder anwerfen und versuchen, Anschluss zu finden an die Ideen, die mich im Dezember schon beschäftigten. Ich bin gespannt, ob die Ruhe ihren Nutzen entfaltet und mich meine Ziele für 2019 umsetzen lässt. Dazu dann aber später mehr.

Ach so. Ich habe Heiligabend übrigens das erste Mal ein rein vegetarisches Menü gekocht und mir viel zu viel vorgenommen. Geschmeckt hat es am Ende doch und der volle Kühlschrank hat uns dann über die nächsten Tage getragen. Ein wenig angefasst war ich doch, weil ich nicht alle tollen Rezepte umsetzen konnte. Doch ich habe viel gelernt, abseits von Gänsebratenpfaden.

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