Wollen wir wirklich ständig wissen, wo unsere Kinder sind? Teilen Kinder die Aufmerksamkeit ihrer Kinder in dieser Form? 

Derzeit bewirbt die Deutsche Telekom in einem Angebot eine Kinderuhr mit eingebautem GPS. Mit lustig im Schnee spielenden Kindern wird die Kids Watch aufgeschlossen bunt und zukunftsverliebt präsentiert. Warum schaffen es eigentlich immer die seltsamen Errungenschaften aus kritischen Kontexten wie zum Beispiel hier dem Strafvollzug in die Konsumwelt?

Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Es kann temporär super nützlich sein, seinen Standort über Soziale Medien oder in der Korrespondenz mit anderen zu teilen. Whatsapp bietet eine solche Funktion tatsächlich seit Längerem. Und auch mein aktuell 9-jähriger Sohn darf über die iOS Freunde Funktion seines Tablet schauen, ob Papa zuhause ist. Er lebt nebenan. Hier ist aber beiden klar, dass es auch mal sein kann, dass der andere nicht will, das man stets weiß, wo er sich aufhält.

Widerspreche ich mich, wenn ich sage: Umfänglich über die Sozialisation unserer Kinder eine Selbstverständlichkeit im Leben der Kinder einzupflanzen, finde ich kritisch. Wie seht ihr das?

Ich neige dazu, dem geneigten Käufer eine Folge aus der Science-Fiction-Serie „Black Mirror“ zu empfehlen. Und zwar bevor das Angebot in Anspruch genommen wird. Der folgende Auszug der Serienbeschreibung aus Wikipedia bietet einen Einblick in die Welt des familiären Überwachungsregimes.

Black Mirror

Quelle: Arkangel (Staffel 4, Folge 2)

Marie Sabrell bringt ihre Tochter Sara zur Welt. Mit drei Jahren verschwindet diese vom Spielplatz, weshalb ihre Mutter in Panik nach ihr sucht, und sie schließlich entdeckt. Sie findet daraufhin Hilfe beim Unternehmen Arkangel. Sara erhält ein Implantat, das stets Auskunft darüber gibt, wo sie sich befindet, welche Substanzen sich in ihrem Körper befinden, und was sie gerade sieht. Auf Saras Sicht und Gehör kann sie sogar Einfluss nehmen, indem sie eine Filterfunktion aktiviert, wenn Sara etwas nicht miterleben soll. Ihre Mutter überwacht sie dabei über eine Art Tablet. Die Sichtfilter machen Sara auf ihrer Schule zunehmend zum Außenseiter. Sie leidet unter Verhaltensstörungen, weshalb ihre Mutter nach einem Angriff durch Sara erstmals in Betracht zieht Arkangel nicht mehr zu nutzen. Das Implantat selbst lässt sich allerdings nicht entfernen.

Sara will als Fünfzehnjährige zu einer Party, wobei sie vorgibt, mit anderen Mädchen einen Film anzusehen. Als die Ausrede von ihrer Mutter zufällig entdeckt wird, kann diese nicht widerstehen und greift nach Jahren wieder zu Arkangel. Sie erwischt Sara beim Sex mit ihrem Schulfreund Trick. Nach diesem Erlebnis behält Marie ihr System in Reichweite, weshalb sie sofort aufmerksam wird, als Sara von ihrem Freund Rauschgift erbittet. Sie macht Trick ausfindig und droht ihm, ihn mit seinem Drogenhandel auffliegen zu lassen wenn er nicht die Finger von ihrer Tochter lässt. Er macht daraufhin mit Sara Schluss, indem er behauptet, er wolle nicht mit ihr zusammen sein. Ihre Mutter kauft in einer Apotheke die Pille danach und mischt sie Sara unbemerkt unter ihren Milchshake. In der Schule wird Sara schlecht und sie erbricht, wobei sie von der Schulkrankenschwester über den erfolgreichen Schwangerschaftsabbruch informiert wird. Sara findet zu Hause die leere Pillenpackung und konfrontiert Marie mit der Überwachung. Daraufhin eskaliert die Situation und Sara schlägt ihre Mutter mit dem Arkangel-Tablet bewusstlos. Das Tablet nimmt dabei starken Schaden. Sara flieht per Anhalter aus der Stadt, während ihre verletzte Mutter hilflos vor der Tür ihres Hauses nach ihr ruft.