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Glaubenssätze sind nur Gerüchte über uns selbst

Ausreden, um nicht mit etwas beginnen zu müssen, erscheinen als Glaubenssatz und damit als Gerücht im Wesen einer Wertung, die uns vom Eigentlichen abhält. Glaubenssätzen zu begegnen, klingt oft einfacher als es ist. Sokrates bietet uns eine Spur und auch die leiblichen Erfahrung von Wut.

Von Sokrates gilt als gesichert überliefert, dass er nicht geschrieben hat. Sein bevorzugtes Werkzeug war die Frage. Den ihm zugetragenen Gerüchten begegnete er angeblich mit drei Fragen. Ist es absolut wahr, was Du mir da erzählen willst? Und falls nein, ist das, was Du mir anvertraust etwas Gutes? Und wenn auch diese Fragen mit Nein beantwortet werden muss, stellt sich die Frage, ob die Information ihm persönlich nützlich sein kann. Unnützes Wissen kann zwar unterhaltsam sein, führt aber zu keinem individuellen Vorteil, um sich überhaupt mit der Sache zu beschäftigen.

Was erzählst Du Dir da selbst?

Wenn wir Selbstgespräche führen, können wir uns von Sokrates inspirieren lassen und seine Methode nutzen. Eine gute Kontemplation braucht Hygiene.

Glaubenssätze sind Gerüchte

Glaubenssätze gehören nicht zur Reflexion und ähneln eher Gerüchten, die wir uns über uns selbst erzählen. Es sind häufig wenig hilfreiche und schon gar nicht heilsame Behauptungen, die hinterfragt gehören. Probiere es einmal aus: Springt ein Glaubenssatz auf die Bühne unserer geistigen Selbstbeschäftigung, sollten wir mit Sokrates fragen:

  1. Ist es absolut wahr, was ich mir da sage?
  2. Ist es etwas Gutes, was ich mir selbst einflüstere?
  3. Ist es nützlich, was ich mich selbst sagen höre?

Glaubenssätze halten uns oft vom Tun ab. Wir boykottieren uns aktiv, in Handlung zu kommen, weil wir eine persönliche Wertung vornehmen, bevor wir überhaupt angefangen oder etwas ausprobiert haben. Wir erzählen uns selbst Gerüchte. Ich mag das nicht. Ich kann das nicht. Ich genüge nicht. Ich bin unbeliebt. Und so weiter.

Die Wut in der Rolle Deines Lebens

Dabei überschreiten wir häufig Grenzen, die uns normalerweise sehr wichtig sind. Wir werden wütend. Wut gilt ind er buddhistischen Psychologie als unheilsame Qualität und sie entsteht immer nur dann, wenn eine individuelle Grenze verletzt wird. Eigene Glaubenssätze, die wir nicht zähmen, wirken oft toxisch. Denn die Glaubenssätze klingen, weil wir sie uns selbst sagen, glaubwürdiger, als wenn sie als plumpe Beleidigung von einem Dritten adressiert werden. Gleichzeitig suchen wir nach Beweisen, um uns nicht selbst in Frage zu stellen. Schließlich wollen wir Recht behalten. Glaubenssätze sind Gift im Gewand einfachster Erzählungen über uns selbst. Das kann ganz einfach beginnen und sich steigern bis zur Selbstaufgabe.

Das Wüten richtet sich einerseits auf uns selbst oder auf äußere Umstände, die wir versuchen, verantwortlich zu machen. Dabei beginnt Verantwortung bei uns selbst. Glaubenssätze sind tatsächlich den Gerüchten sehr ähnlich. Obwohl wir ständig Gerüchte hören, sollten wir sie besser nicht erzählen. Und weil Gerüchte als sozialer Schmierstoff dienen, erkennen wir ihre Gefährlichkeit häufig nicht. Wir wissen das und doch sind Glaubensgerüchte allgegenwärtig. Mit den drei von Sokrates gebotenen Fragen, können wir ihnen begegnen.

Wenn Du Wut spürst, ist das übrigens ein starkes Indiz, dass Deine persönliche Grenze verletzt wurde.

Etwas zu tun – zum Beispiel einen Ball beim Tennis zu schlagen, ist eine Entscheidung. Geht der Ball ins Aus, ist das ein Ergebnis, mit dem man umgehen muss. Ein Ball im Aus ist für den Plan, zu gewinnen wenig hilfreich. Doch ein solcher Fehler stellt uns nicht als Person in Frage. Gelingt der Ball und wir punkten, spüren wir leiblich, dass wir es tun können. Das hebt Selbstvertrauen und löscht Glaubenssätze. Selbstwirksamkeit entzieht den Glaubenssätzen das Vertrauen. Die Gerüchte, die wir uns bis zum Zeitpunkt einer echten Handlung über uns selbst erzählt haben, werden uninteressant und unglaubwürdig. Hier gilt, wie für vieles andere, Wiederholung ist die Mutter der Pädagogik.

Etwas nicht zu tun, etwas aktiv zu unterlassen, kann übrigens auch Handlung sein. Hier liegt der Akt der Sabotage im Pendant der Vieltuerei. Der Vieltuerei können wir, wie dem Gerücht, das sich als Glaubenssatz tarnt, mit den drei oben skizzierten Fragen begegnen. Neigen wir zur Vieltuerei, was nicht mit echter Handlung gleichzusetzen ist, sollten wir uns fragen:

  1. Ist das wirklich nötig?
    (Die zielführende Wertigkeit rückt an die Stelle der absoluten Wahrheit)
  2. Ist es etwas Gutes?
    (So schließen wir vor allem selbstzerstörerische Obsessionen aus.)
  3. Bringt es uns weiter?
    (Der Nutzen einer Handlung liegt ja darin, voran zu kommen)

Vieltuerei bringt uns nicht voran und meistens verlangen Tätigkeiten der Vieltuerei keine echten Entscheidungen. Ein rein intuitives Unterfangen, das etwas Aufwand benötigen würde, es zu hinterfragen. Staub lässt sich schnell aufwirbeln. Arbeit sieht nach Mühe aus und wer das zusätzlich durch verbale Einlassungen dokumentiert, betrügt sich genau so wie mit Glaubenssätzen. („Ich muss noch“).

Das Wesen von Vieltuerei liegt auf einem ähnlich toxischen Niveau wie unsere Glaubenssätze, die wir uns immer und immer wieder selbst als Gerücht erzählen. Vieltuerei ist eine geschäftige Art, sich selbst zu erzählen, man vollbringe ein Werk, ohne echt voran zu kommen.

Ausreden sind schnell gefunden

Wir alle neigen dazu, den Leistungswillen ganz nach vorn zu stellen. Bei uns selbst und bei anderen. Ausreden, um nicht mit etwas beginnen zu müssen, erscheinen als Glaubenssatz und damit als Gerücht im Wesen einer Wertung, die uns vom Eigentlichen abhält. Ausreden es sind Gerüchte, die als rationale Rechtfertigung dienen, das Handeln aufzuschieben. Es ist noch nicht der richtige Zeitpunkt. Perfektionismus ist ein solches Muster für Ausreden. Ich muss erst noch XY vorbereiten, dann kann es wirklich losgehen. Wer das über Jahre konditioniert, droht am pathologischen Aufschieben zu erkranken. Der so genannten Prokrastination.

Wie wir uns selbst als wirksam erfahren

In echte Handlung kommen hilft uns dabei, selbst wirksam zu sein. Erfahrungen der Selbstwirksamkeit machen uns souverän und mutig. Wir trauen uns was (zu). Wenn dabei ständig jemand (wir selbst) dazwischen plappert, weil er es besser wissen will, uns ein Gerücht nach dem anderen auftischt und wir diese Gerüchte glauben, finden wir nicht die Zeit anzufangen oder wir werden vom Weg abgelenkt. Deshalb noch einmal kurz und knackig.

Wenn Du merkst, dass Du wütend wirst, kann es sein, dass Dein eigenes Gerede in Gestalt von Glaubenssätzen Deine Grenzen verletzt hat. Das hält Dich letztlich von der echten Handlung ab. Frage Dich, ob es wahr ist, was Du Dir selbst erzählst. Frage Dich, ob Du gut über Dich selbst sprichst und ob das, was Du sagst nützlich ist, um voranzukommen. Lautet die Antwort mehr als einmal Nein, sei skeptisch oder wende Dich gleich der besseren Handlung zu. Beginne und betrachte das Ergebnis nicht vorher und nicht währenddessen. Fange jetzt an, schließe die Handlung ab und prüfe dann, was Du besser machen kannst.

Wenn Du es besser gekonnt hättest, hättest Du es getan.

Verinnerliche denn Erfolg. Ja, Du kannst es tun. War es ein Fehler? Nein. Fehler sind nur Hinweise, wo Potenzial für Verbesserung liegt. Es ist auch nicht schlimm, sich selbst einzugestehen, dass man für bestimmte Aufgaben und Herausforderungen manchmal zu wenig Talent mitbringt. Training kann hier helfen. Bilde Deine Kompetenz aus und wiederhole das. Aber nur, wenn Dir wirklich etwas daran liegt. Solltest Du Handlungen bevorzugen, für die sich auch nach guten Versuchen, kein ausreichendes Talent finden lässt, kannst Du weiter machen oder andere Entscheidungen treffen. Allemal besser, als sich selbst zu sabotieren. Triff eine Entscheidung, aber ziehe Dich nicht mit Deinen Glaubenssätzen und die Gerüchteküche zurück.

Und weil ich es nicht explizit gesagt habe. Mit echter Handlung kann auch der Müßiggang gemeint sein. Weltliteratur lesen, obwohl Dein Glaubenssatz sagt, dass Du die Buddenbrocks niemals schaffen kannst. Beginne noch heute mit dem Lesen! Jede Form der Achtsamkeit oder Meditation ist Handlung. Persönliche bevorzuge ich das Wandern. Einfach zu sein, ist Handlung. Was es dafür braucht ist eine Entscheidung, ab sofort weniger auf die toxischen Dämpfe aus der Giftküche der Gerüchte über Dich selbst zu hören. Sei Sokrates.

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Die Anwesenheit des Internets als exogene Quelle für Veränderung und Wandel lässt die Gesundheitsbranche bedrohlich, unangenehm und teils überfordert aus der Stresstoleranz kippen. Deshalb findet man Frank Stratmann im Netz unter dem Pseudonym betablogr.
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Glaubenssätze sind nur Gerüchte über uns selbst

Ausreden, um nicht mit etwas beginnen zu müssen, erscheinen als Glaubenssatz und damit als Gerücht im Wesen einer Wertung, die uns vom Eigentlichen abhält. Glaubenssätzen zu begegnen, klingt oft einfacher als es ist. Sokrates bietet uns eine Spur und auch die leiblichen Erfahrung von Wut.

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