Als jemand, der im Jahre 2014 an der Initiierung des Blogs für den Hauptstadtkongress beteiligt war, erlaube ich mir ein kurzes Statement zur Sache. Trotz dieser Tatsache und weil es möglicherweise so klingt: Meine Zeilen sind keine offizielle Verlautbarung seitens des Veranstalters. Da ich die Programmverantwortlichen allerdings kenne, bin ich sicher, wir stimmen da weitestgehend überein.

Zunächst das Wichtigste. Ich kenne die Referentin, deren Vortragstitel hier gemeint ist seit vielen Jahren und darf versichern, dass sie frei ist von jeglichem Verdacht, diskriminierende Thesen zu verbreiten. Ihr gesamtes Denken ist vielmehr humanistisch geprägt. Als liebe Kollegin gehörte auch sie zum Team, das dabei half, den Hauptstadtkongress vor 4 Jahren in Richtung der sozialen Medien zu öffnen. Anfangs war man skeptisch, mit welchen Folgen das verbunden sein könnte. Mit dieser Diskussion zeigt sich. In jeder Kritik steckt auch eine Chance für den konstruktiven Dialog.

Anmerkung: Tatsächlich liegt immer noch ein Schleier aus Medienignoranz über der gesamten Branche. Das sollte mit dem Titel wohl provokant beschrieben werden. Es misslang. Dafür muss ich mich persönlich allerdings nicht fremd schämen. Im Gegenteil. Ich bedanke mich. Auf folgende Art und Weise.

Tatsächlich habe ich herausgefunden, dass die Beschreibung von Zuständen mithilfe eines Krankheitsbildes eine lange Tradition zu haben scheint. Nachdem ich gestern den Dialog rund um die falschpositive Beschreibung eines Vortrags beim Hauptstadtkongress gelesen hatte, verstieg ich mich in der Annahme, die entstandene Aufregung könne tatsächlich daran liegen, dass Autismus als Begriff von der Aufklärung der Zusammenhänge gesellschaftlich profitiert hat. Die Verwendung des Begriffs könnte doch damit zu tun haben, dass gesellschaftlich angekommen ist und aus seiner verschämten Ecke herausgezerrt werden konnte. Mit dem Begriff natürlich auch die besonderen Umstände, die Autismus für Betroffene mit sich bringt. Der Weltbestseller Das Rosie Projekt soll hier stellvertretend genannt werden.

Dann fand ich heraus, dass die Diskriminierung durch die Übertragung falsch verstandener Eigenschaften, die eine Krankheit beschreibt, eine lange („tragische“) Tradition zu haben scheint. Wer das überprüfen möchte, sollte diesen Blogpost auf Autismus-Kultur.de lesen, der sich auf eine Sammlung von Dr. Henning Schilder beruft und von der Diskreditierung politischer Gegner und unliebsamer Meinungen durch die Verwendung vor allem psychischer Leidensbegriffe berichtet. Der Beitrag selbst widmet sich Beiträgen, in denen Autismus unterstellt wird. Die eindrucksvolle Sammlung an Zitaten und Medieninformationen, in denen Autismus – negativ belegt – genutzt wird. reicht über zwanzig Jahre zurück.

Wir alle wissen, dass wir uns dann und wann (nicht nur in unserer Alltagssprache) verirren. Peinliche Momente, in denen uns ein Wort über die Lippen rutscht, das so gar nicht auf Resonanz stößt, kennen wir alle. Ausrufe, wie „Das ist doch schizophren“, zeigen auf, dass vor allem psychische Krankheiten eine unglückliche Verwendung finden.

Deshalb möchte ich mich auch bei den Diskutanten bedanken, die uns drüben auf Twitter auf den Umstand der falschen Verwendung des Autismus-Begriffs aufmerksam gemacht haben. Im Stil der einzelnen Wortmeldungen spürte man die Emotionen, die das Thema hervorgerufen hat. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass polemisch, aggressiv oder verletzend argumentiert wurde. Auch dafür Danke. Denn eine qualifizierte Diskussion in sozialen Medien – gerade dann wenn es emotional wird – ist heutzutage nicht selbstverständlich.

Wer sich für das Thema Diskreditierung und Diskriminierung in Medien interessiert und vor allem an seiner Vermeidung im Umgang mit psychischen Leiden und Behinderungen interessiert, weil er selbst in den Medien aktiv ist, der findet bei der Aktion Mensch wertvolle Hinweise, was Menschen erwarten, die sich wünschen, Ihre besondere Persönlichkeit solle im Mittelpunkt stehen und nicht die Behinderung.

Ich hoffe sehr, dass meine Zeilen zur Kompensation der Aufregung beitragen können.

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