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Heimsuchung

Warum beschäftigt uns ein lokales Wetterphänomen mehr als die Summe der Ereignisse, die weltweit für unverhältnismäßig mehr Leid sorgen?

Die Heimsuchung der USA durch Harvey und Irma pünktlich zum 09/11 wirkt in seiner Wucht der kurzfristigen Aufeinanderfolge wie eine Mahnung an die Dummköpfe, die sich dem Klimawandel verweigern.

Es ist wohl nicht damit zu rechnen, dass zwei aufeinanderfolgende Stürme einen fundamentalen Wandel der Einstellungen zum Thema Global Warming bei verantwortlichen Regierungspersönlichkeiten provozieren. Im Vergleich gilt Angela Merkel bezüglich von 180 Grad Drehungen schon als Vorbild. Auch für den US-Präsidenten? Wohl kaum.

Mit Beginn dieser Woche dreht sich in den Medien alles um Irma. Auf und abwärts aller Kanäle verweist Irma den Bundestagswahlkampf und Krisenpolitik rund um Nordkorea auf die Plätze. Ist das Empathie?

Ein Sturmereignis von wenigen Tagen am anderen Ende unserer westlichen Welt beschäftigt uns in seiner Phänomenologie übergebührend. Finde ich. Warum eigentlich? Weil es möglich ist. Korrespondenten weltweit sind in einer vernetzten Medienwelt omnipräsent. Das Interesse an den Schäden in den USA dürfte hierzulande persönlich nur sehr wenige Menschen bewegen. Wenn wir aber schon vor Ort sind, kann man ja mal darüber berichten. Dann verselbstständigt sich das und es gehört fast zum guten Ton, Irma auf Platz mutmaßlichen Interesses zu setzen.

Ja, wir denken an die Menschen. Vor allem an die, die aus unterschiedlichen Gründen unter den Wetterkatastrophen leiden. Möglichweise nicht nur Hab und Gut verlieren. Was aber will die besonders gehäufte Berichterstattung aus den USA konditionieren? In Deutschland werden Vorkommnisse wie Irma trotz Klimawandel für längere Zeit ausgeschlossen. Auch wenn die Erinnerungen an Kyrill noch wach sind. Vor allem, wenn ich in den Wald gehe, der bei mir gleich hinterm Haus beginnt. Dann sehe ich immer noch die Folgen, an die sich unser Auge längst gewöhnt hat.

Indien erscheint nicht auf dem Radar

Nur am Rande bekommen wir die Situation auf dem indischen Subkontinent mit. Der so sehnlich erwartete Monsun sorgt regelmäßig für Überschwemmungen. Das wird eingerechnet. In diesem Jahr allerdings sollen in den letzten Wochen schon über 1.200 Menschen ums Leben gekommen sein. Bislang habe ich in den Hauptnachrichten nichts dazu gehört. Lediglich auf Ereigniskanälen wie Phoenix wird latent auf die Geschehnisse hingewiesen. Dort dürfte das sich anschließende Leid unverhältnismäßig größer sein.

Was ich gelernt habe

Der durchschnittlich begabte Meteorologe in uns neigt dazu, die Häufung von Stürmen dem Klimawandel zuzuschreiben. Dabei sind sich Wissenschaftler einig, dass es im eigentlichen Sinne keine Häufung gibt. Möglicherweise können wir in 20 bis 30 Jahren eine statistische Veränderung erkennen. Der eigentliche Zusammenhang, der zwischen dem Klimawandel und den Stürmen derzeit ausfindig zu machen ist, sind die steigenden Regenmengen (Harvey) oder die durch erhöhte Wassertemperaturen neue Dimensionen, die Irma zu dem bislang a stärksten gemessenen Hurrikan macht, seitdem es Aufzeichnungen gibt.

Was bleibt von Irma

Irma wird bald auf den Status eine Tropensturms herab gestuft. Das entspricht immer noch den Windgeschwindigkeiten von Kyrill in Deutschland (2007). Wer sich als Wetter- oder Klimainteressierter orientieren will, ist auf dieser Seite gut unterwegs. Persönlich schaue ich ja eher auf den Regenradar hier vor Ort. Vor allem wenn es um mein Sportprogramm Projekt V geht.

Ich vermute, so wie wir in einigen Tagen hören werden, dass der Rest von Irma den europäischen Kontinent als einfaches Tiefdruckgebiet erreichen wird, bleibt von der Aufregung hierzulande aus den letzten Tagen nur ein laues Lüftchen. Selbstverständlich nicht für die Menschen, die sich mit den angerichteten Schäden vor Ort auseinandersetzen müssen. Wir aber gehen zur Tagesordnung über und es bleibt die Frage, warum wir uns so übergebührend mit der Situation in den USA auseinandersetzen durften, während anderswo auf der Welt durch das sich wandelnde Klima weitaus größeres Leid auf Jahre hinaus Einzug gehalten hat.

Für Diskussionswillige: Warum beschäftigt uns ein lokales Wetterphänomen mehr als die Summe der Ereignisse, die weltweit für unverhältnismäßig mehr Leid sorgen? Habt Ihr eine Antwort? Freue mich über Kommentare.

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Die Anwesenheit des Internets als exogene Quelle für Veränderung und Wandel lässt die Gesundheitsbranche bedrohlich, unangenehm und teils überfordert aus der Stresstoleranz kippen. Deshalb findet man Frank Stratmann im Netz unter dem Pseudonym betablogr.
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