Ich will mit diesem Virus nichts zu tun haben

Verspielen wir das Errungene? Wie denkst Du über eine Infizierung mit SARS-Co-V2 und einer Erkrankung an COVID-19?

Hast Du Dich auch schon einmal dabei ertappt, dass Du gedacht hast: „Dann infiziere ich mich halt und habe es schnell hinter mir.“ Vielleicht ging es Dir dann wie mir. Gleich zu Beginn der Coronakrise hatte ich solche Gedanken. Als gesunder Mensch fühlt man sich oft weniger empfindlich und angreifbar. Einmal habe ich sogar gedacht, die Infektion schon gehabt zu haben. Schließlich fühle ich mich fit und gehöre sicher zu der Gruppe der asymptomatisch verlaufenden Fälle. Wie naiv ich war.

Heute will auf keinen Fall mit diesem Virus zu tun haben. Zu unsicher sind mir derzeit die wissenschaftlichen Erkenntnisse. Das Virus scheint gefährlicher, als wir bisher angenommen haben. Ich neige in diesem Punkt nicht zur Panik. Doch hört man von vielerlei Symptomen, die aufgrund der zunehmenden Datenlage mit COVID-19 in Verbindung gebracht werden. Ohne mich hier medizinisch zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Geschmacks- und Geruchsverlust gehört da noch zu den harmloseren Begleiterscheinungen. Von Gedächtnisverlust und einem Befall von Organen wurde berichtet. Gerade die Todesfälle lassen sich oft auf völlig unterschiedliche Verläufe nach einer Infizierung mit SARS-Co-V2 zurückführen.

Jetzt, wo wir täglich über Lockerungen diskutieren und der Anschein entstehen könnte, spätestens im Sommer sei wieder alles normal, kann ich an dieser Stelle nur meine ganz persönliche Meinung kund tun. Ich glaube, dass so etwas wie eine neue Normalität erst deutlich bis nach dem Zeitpunkt erreicht sein wird, wenn ein Impfstoff endlich gefunden wird. Denn selbst wenn ein solches RNA-Vakzin gefunden wird, steht es nicht automatisch allen Menschen gleich zur Verfügung. Zunächst sollten wir uns auf die Versorgung der vulnerablen Gruppen konzentrieren. Bis der Impfstoff mir persönlich, als gesundem Menschen zugänglich wird, werden noch einmal Monate vergehen. Übrigens das derzeit geflogene Wort einer sogenannten neuen Normalität stammt aus der Systemtheorie und beschreibt den Zustand nach der Störung eines Systems. Vielleicht hoffen auch deshalb viele Menschen, es möge sich mit der Coronakrise etwas ändern.

Zweite Coronawelle

In diesem Jahr werden wir uns vor allem mit den Ängsten rund um eine zweite Coronawelle auseinandersetzen müssen. Die droht sehr wahrscheinlich im Herbst, wenn die kältere und engere Jahreszeit beginnt und wenn die jetzt vollzogenen Lockerungen mehr Sorglosigkeit in der Bevölkerung durchsickern lassen. Wie schnell das passiert, habe ich gestern bemerkt. Mein schneller Aufbruch zur Tankstelle, um für die Familie ein Eis zu organisieren, lies mich meinen Mund-Nasen-Schutz zuhause vergessen. Ich war in dem Augenblick zwar allein in der Tankstelle. Doch meine Nachlässigkeit fand nicht die Strenge seitens des Kassierers, die ich erwartet hätte. Die überall aufgestellten Schilder zur Schutzverpflichtung wurden wechselseitig ignoriert.

Wie kompliziert ist Tracing?

Vorgestern habe ich diese interessante Studie im Lancet gelesen und mir ein Bild gemacht, wie kompliziert das Tracing schon bei einer vergleichsweise kleinen Münchener Gruppe um das Unternehmen Webasto werden kann. Wir erinnern uns. Patientin 0 kam aus China und infizierte Kolleginnen und Kollegen bei einem Automobilzulieferer. Klare Leseempfehlung, wie kompliziert die Kontaktnachverfolgung ist. Deshalb plädiere ich für den zügigen Start der Tracing App, die laut Dorothee Bär Mitte Juni zur Verfügung stehen soll.

62% sagen ja.

Viele Menschen treibt die Frage um, ob wir das Errungene über den Sommer verspielen. In einer zwar nicht repräsentativen, aber dennoch bemerkenswerten Umfrage haben 215.000 Nutzer von t-online.de die Frage beantwortet, ob sie sich vor einer zweiten Infektionswelle fürchten. 62 Prozent sagen ja. Zwar gibt es viel Verständnis für die Nöte der Unternehmen, Arbeitnehmer, Kinder und Familien, doch vielen gehen die Lockerungen trotzdem zu schnell.

Wie stehst Du dazu? Antworte gern mit einem Kommentar in diesem Beitrag. Gehörst Du zu den 62%, die sich vor einer zweiten Welle fürchten. Oder siehst Du einer zweiten Coronawelle gelassen entgegen? Wie geht es Dir heute? Wie hat Dich die Coronakrise bislang betroffen? Welche Lehren ziehst Du aus dieser Zeit?

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