Sorry, dass ich Euch mit dieser Weltuntergangsstimmung in diesen Blogpost locke. Doch das muss ich Euch unbedingt erzählen. Wie ihr wisst, bin ich unterwegs auf zwei Kontinenten, die eine Verwerfungslinie bilden, in der ich ständig herumklettere. Diese Kontinente nenne ich Marketing und Digitalisierung. Das spannendste Biotop auf der Seite der Digitalisierung ist die Medialisierung unserer Gesellschaft. Ein Projekt, das quasi aller unsere Lebensbereiche betrifft.

So wie ich gern auf meinen Wanderungen im Instagram, Whatsapp oder Facebook Status berichte, was ich gerade sehe, scheinen Klassenfahrten ohne eine Whatsapp-Gruppe nicht mehr auszukommen.

Bei meiner Fahrt im IC 2217 in Richtung Düsseldorf, heute Morgen, beobachte ich eine solche Klassenfahrt von Halbstarken, die munter mit Ihren Smartphones hantieren und sich trotz, dass sie sich einen halben Wagon teilen, in einer Whatsapp-Gruppe miteinander unterhalten. Gespräch findet heute schon anders statt. Aber das ist nicht die Katastrophe, die ich meine.

Die spielt sich folgendermaßen ab. Ich beobachte eine Lehrerin, die einen Schüler zur Rede stellt, weil dieser etwas in die besagte Gruppe gestellt hat, das sie nicht sehen kann. Sie stellt den Schüler vor seiner gesamten Klasse zur Rede. „Kannst Du mir bitte zeigen, was Du gerade in die Whatsapp-Gruppe geschrieben hast, das ich nicht sehen kann.“ Die Schüler lassen die Frau zappeln. Wahrscheinlich weil deren Auftritt etwas an das der Figur des Fräulein Rottenmeiers aus Johanna Spyris Roman Heidi erinnert.

Zunächst grübelt mein Sachverstand über Whatsapp-Gruppen, bis mir klar wird. Früher musste der Lehrkörper Razzien auf der Schultoilette planen, weil sich hinter verborgenen Mauern möglicherweise verbotene Dinge abspielen könnten. Heute fehlt der betroffenen Lehrerin mit ihrem alten Knochen von Smartphone der Zugang zu den neuen Emoticons, weil ihr mobiles Betriebssystem hier nicht mitmacht, sie eine zu alte Version mit sich herumträgt oder einfach das falsche Icon-Set installiert hat. Denn nach einigen Minuten brüllt ein Mitschüler: „Die meint den Sticker, den Du gerade gepostet hast.“

Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, bemerkt, wie wir uns verändert haben. Früher hieß es: „Was hast Du da hinter Deinem Rücken?!“ Heute spielt sich das auf einer technischen Ebene ab, die uns wie ein Nebel umgibt. Und auch Nebel ist so etwas wie eine Wolke. Die Cloud, in der ein Teil unseres Lebens aufzugehen scheint. Ich für meinen Teil setze bewusst auf die Vermischung analoger Errungenschaften mit dieser digital anmutenden Ebene,. Ich möchte nicht vergessen, wie es war, als wir uns auf stinkenden Schulhof-Toiletten eingeschlossen haben, um in konspirativen Runden Dinge auszuhecken, die gar nicht so geheim hätten sein müssen. Aber ich möchte auch nicht mehr zurück in diese analoge Welt. Irgendwie mag ich beides und das sollte sich irgendwie miteinander vertragen. Dabei ist dieses Beispiel ein Granulat des Ganzen und die Herausforderungen bei komplexen Errungenschaften wie Demokratie und Medizin etwas, womit wir uns konsequent auseinandersetzen müssen.

Der Sticker in einer Whatsapp-Gruppe von heute markiert für den einen die Katastrophe, manches Errungene und im Falle der Lehrerin die Kontrolle abgeben zu müssen. Ich frage mich, was ist wirklich wesentlich an dem, was ich analog nicht verlieren möchte. Komme ich hier zu keinem Ergebnis oder verspricht das Digitale mir einen höheren Nutzen, schwenke ich gern um. Nur eben nicht blind oder nur deshalb, weil alles digital werden muss.

Wer Lust hat, das Analoge mit dem Digitalen zu vermischen, kann mit mir irgendwo in Deutschland gern eine Wanderung unternehmen. Mein Mentoring per pedes dient der Hinwendung zum Digitalen im analogen Umfeld. Nutze dazu gern mein Zeitgeschenk, das ich Dir in meinem Kalender hinterlegt habe.