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Meine Fahrt mit Anne Hufnagl auf dem Redaktionsschiff ThePioneerOne

Kurze Rede, langer Sinn (tl;dr)
Anne Hufnagel hat Robert Habeck fotografiert. Das Bild kam einige Male zur Sprache. Es funktioniert offensichtlich und für mich passt es zu einem Robert Habeck, der vor vielen Jahren mal eine Kegelbahn in seinem Landkreis betrat, um mit dem Ortsverband der Grünen über einen Radweg zu diskutieren.

Aus irgendeinem Grund hatte ich am Dienstag das Morgen Briefing von Gabor Steingart bis ganz unten gelesen. Adressiert wurde ein Live-Event auf der ThePioneerOne mit Haus- und Hof oder sagen wir besser Bootsfotografin Anne Hufnagl. Gabor Steingart wörtlich:

Ich habe für treue Leserinnen und Leser des Morning Briefings ein paar wenige Karten beiseitelegen können. Wer Zeit und Lust hat, mein Ehrengast zu sein: bitte melden!

Das habe ich gemacht und schon wenige Stunden später kam die erfreuliche Nachricht, dass ich die Zeit zwischen meinem letzten Berlin Termin für heute und der geplanten Rückreise auf der Spree im Regierungsviertel verbringen darf. Eine gute Gelegenheit, sich vom viel beachteten Medienprojekt des ehemaligen Chefs des Handelsblatts persönlich vor Ort zu überzeugen. Doch, zunächst zu Anne Hufnagl.

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Fotografin Anne Hufnagl jetzt auch in Berlin

Lange Zeit sah sich Anne Hufnagl beruflich vor allem in Hamburg. Erst Corona habe sie auf die Idee gebracht, sich in Berlin zu engagieren. Wie der Schulterschluss mit Gabor Steingart zustande kam, darüber verrät sie nichts. Sie fühlt sich nicht als Teil des journalistischen Teams, sondern betont ihre Rolle als Unternehmerin, die im Auftrag handelt.

So plaudert sie im Gespräch mit Gordon Repinski bisweilen über die Tricks, die sie anwendet, um vor allem die PolitikerInnen für die Pioneer-Serie innerhalb der 3-5 Minuten dazu zu bringen, mitzumachen. Das Shooting findet meist unpünktlich direkt auf dem Schiff statt. So zielte meine Frage aus dem Publikum an sie auch unmittelbar auf den kurzen Moment, wenn die vor Eigenschutz strotzenden und machtgeladenen Persönlichkeiten vor ihre Kamera treten. Was passiert dann genau? Wie verhalten sich die unterschiedlichen Charaktere oder gibt es vielleicht Unterschiede zwischen den Generationen? Wie unterscheidet sich ein erfahrener und geschliffener Gerhard Schröder von Philipp Amtor, dem man ja aufgrund seiner Jugendlichkeit unterstellen darf, medial anders sozialisiert zu sein. Auch wenn er im Auftritt oft erzkonservativste Parteifreunden in den Schatten stellt.

Robert Habeck nur ein dummer Schuljunge?

So kam die Sprache auf zwei diametral wirkende Bilder der beiden Chefs von/Bündnis 90/Die Grünen. Eine Teilnehmerin hinterfragte, wie es zu dem aus ihrer Sicht eher unglücklichen Foto von Robert Habeck kam. Der posiert in dem Moment des Auslösens der Kamera eher jungenhaft bis schüchtern. Etwas das ich dann in meiner Wortmeldung als wohltuend beschrieb, distanziert sich die Pose doch von der Logik des stetigen Machtaufladens über die Kommunikation im Bild. Ich wünsche, ja brauche so etwas gelegentlich von einem Politiker.

Das Bild von Robert Habeck kam noch einige Male zur Sprache. Es funktioniert offensichtlich und für mich passt es zu einem Robert Habeck, der vor vielen Jahren mal eine Kegelbahn in seinem Landkreis betrat, um mit dem Ortsverband der Grünen über einen Radweg zu diskutieren und quasi am Ende des Abends ihr Vorsitzender war. Das hat er mal in der ersten Folge vom Zeit Podcast Alles gesagt in 2018 erzählt.

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Analena Baerbock, die ich bereits im Februar live erleben durfte, hat Anne Hufnagl robust in Szene gesetzt. Die Grünen-Chefs waren zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf dem Schiff und die superheldenartig übergeworfene Jacke mit verschränkten Armen erwartet man nicht ohne Weiteres von einer jungen Politikerin. Manche haben den Eindruck, sie stünde hinter Habeck und das wollte die Fotografin ändern. Übrigens, eher ein Klischee, das sich in Wohlgefallen auflöst, wenn man sie einmal treffen darf.

Was Politiker über Anne Hufnagl sagen

Anne Hufnagl fotografiert seit Kindertagen und hat das Genre Machtmenschen durch Gespräche mit einem Freund für sich entdeckt. Auf die Frage, was ihre persönliches Warum sei, gab sie eine eher zurückhaltende Antwort. Es reizt sie. Deshalb keine Berge oder andere Motive. Selbstbewusst schiebt sie noch hinterher. Ich mache das, weil ich es kann. Oft würde ihr gespiegelt, dass es der Mut in ihren Bildern sei, der ihre Arbeit offensichtlich andersartig erscheinen lässt.

Mit Saskia Ecken duzt sie sich, weil diese nach dem Interview an Bord gleich noch einmal anrief, um sie zu buchen. Die beiden haben dann unter vier Augen und einer Linse gearbeitet. Kein großes Tamtam. Einfach fotografieren. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat seinen Abzug einige Tage später gekauft. Der Jens nutzt das Bild jetzt in seinen Profilen in sozialen Netzwerken, wie z. B. in seiner MdB Whatsapp-Gruppe.

Authentisch sind Politiker selten

Ich habe heute eine taffe Fotografin erlebt. Vor allem ihr Tipp, mit dem zu Porträtierenden ausreichend Zeit zu verbringen – falls möglich – und immer ehrlich zu sein, was man als Fotograf von seinem Motiv will. Das klingt plausibel. Über Olaf Scholz habe ich jetzt gar nicht gesagt in diesem Beitrag. Doch eigentlich gehört er zum Reigen der hier genannten dazu. Denn Anne Hufnagl spricht beim Shooting das an, was der Leser dieses Beitrags über die Personen denkt. Esken zu holzig. Scholz zu sortiert. Spahn oft unvorteilhaft erwischt, oder Peter Altmaier, der Äußeres höchstwahrscheinlich unwichtig findet.

Gerade weil wir selten glauben, die Menschen, deren Attitüden wir nur aus Pressekonferenzen und Podiumsdiskussionen kennen, hätten auch eine andere Seite, die manchmal vielleicht nur in diesen 3 bis 5 Minuten zum Vorschein kommt.

Das ist meine Take-Home-Message: Ehrlich sein, auch wenn es um unbequeme Wahrheiten geht. Und immer gut begründen, warum man etwas vom Motiv verlangt.

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Mein Eindruck vom Redaktionsschiff

Eigentlich höre ich vor allem den Podcast und lese gar nicht die morgendlichen Redaktionsmitteilungen vom ersten Redaktionsschiff der Welt, wie Gordon Repinski heute bei der Eröffnung der ThePioneerOne Live Veranstaltung noch einmal deutlich machte.

Das Binnenschiff ist gar nicht mal so groß, strotzt aber vor Selbstbewusstsein. Die übliche Kulisse der Touristenflotte wird mit einem Tupfer Magnet aufgemischt. Während der Fahrt zieht die laufende Leuchtschrift die Blicke vom Ufer an. Irgendwie schaut man anders auf uns Vorbeifahrende. Das Corporate Design stammt übrigens von Edenspiekermann.

Was mich persönlich beeindruckt hat, war die Tatsache, dass nicht nur beide Redaktionschefs anwesend waren. Der moderierende Gordon Repinski war gesetzt. Aber auch Michael Bröker mischte sich unter die Gäste und kurz nachdem das Gespräch mit Anne Hufnagl begonnen hatte, wagte sich Gabor Steingart auf Deck.

Und im Bauch des Schiffes wird redaktionell gearbeitet. Das Schiff ist also definitiv keine Kulisse.

Die Fahrt endete, wo sie begonnen hat. Am Schiffbauerdamm 12 in Berlin. Gleich bei Zimt & Zucker unweit der Ständigen Vertretung. Von dort erreichte ich dann einige Minuten später schlendernd entlang des Spreeufers im Regierungsviertel meinen Zug. Diese Zeilen erreichen Dich aus dem ICE in Richtung Dortmund. Schönen Abend noch.

Übrigens, Anne Hufnagl auf Instagram folgen? Hier ist das richtige Profil, auch um einige der oben beschriebenen Bilder zu finden.

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