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Risikomanagement in der Arztpraxis

Sind Sie sattelfest in den Methoden, Risiken zu begegnen? Was tun Sie aktiv, um Risikomanagement in der Arztpraxis als Teil ihrer Praxisphilosophie zu etablieren, ohne sich dabei hysterisch in Ängsten zu verrennen?

Was bereitet Dir schlaflose Nächte? Risikomanagement ist ein Thema, das wir oft mit komplexen, vernetzten und dynamischen Systemen verbinden. In der Logik denken wir dabei an große Unternehmen, deren Überschaubarkeit an seine Grenzen reicht, eben weil deren Organisation grenzenlos erscheint.

Warum aber sollten wir uns persönlich in der Arztpraxis der Zukunft oder als kleineres Unternehmen mit diesem Thema auseinandersetzen?

Beim Partnerkongress der Gesundheitsforen Leipzig sprach Frank Romeike über die versäumten Chancen eines falsch verstandenen Risikomanagements. Der Gründer von RiskNET vertrat dabei die Meinung, die Pandemie sei vorhersagbar. Das Coronavirus oder allgemeiner gesagt, ein Virus und Erreger sei kein schwarzer Schwan. Dabei verweist er auf die Aussage eines ehemaligen Vorstandsvorsitzenden eines großen Rückversicherers.

Die vermeintliche Unvorhersagbarkeit von Ereignissen muss nur allzu oft als Ausrede für fehlendes Risikomanagement herhalten.

Zuvor hatte er auf das Defizit verwiesen, das diese Aussage so nachvollziehbar macht.

Die Welt des Unbekannten und der großen Über­raschungen kann alternativ auch mit der Metapher des Lebens im Dorf und dem unbekannten Dschungel – der das Dorf umgibt – beschrieben werden. Innerhalb des Dorfes – umgeben von einem Zaun – fühlen wir uns sicher und haben die wesentlichen Risiken im Griff. Wir können die Risiken des normalen Dorflebens (genauer gesagt dem Betrieb einer Arztpraxis) mithilfe von statistischen Methoden relativ gut bewerten. Viele Menschen konzentrieren sich aus­­schließ­lich auf die Risiken in ihrem unmittelbaren Umfeld und blenden die Risiken jenseits des Dorfzauns aus 1.

Die Ausrede, sich bislang nicht in den Dschungel gewagt zu haben, um Risiken richtig zu bewerten, greift nicht. Denn wer Honig will, muss raus auf die Klatschmohnwiese. Diese von der Biene Maja geliehene Empfehlung als Haltung und Imperativ zu verinnerlichen, greift nicht nur für mein Hauptthema der externen Kommunikation in Gesundheitsbeziehungen. Es ist genauso gut bei der Bewertung eines Risikos anwendbar durch einen Blick über den Tellerrand oder über den Zaun, der das oben genannte Dorf umrahmt.

Wer sich ansatzweise mit Risikomanagement beschäftigt hat, verfügt meist über eine eher regulatorische motivierte Risikobuchhaltung. Risikomanagement ist nicht selten ein Potemkinsches Dorf, sagt Frank Romeike. Oberflächlich wirkt das oft ausgearbeitet und beeindruckend. Man müsse sich nur mal das Risikomanagement von Wirecard anschauen. Meistens fehle es an Substanz. In der Folge fließen Risikoinformationen nicht ausreichend in die Praxisführung ein.

Ein aktuelles Beispiel ist das Erscheinen von Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGa). Sie schauen gewissermaßen schon über den Zaun einer Arztpraxis. Sie werden oberflächlich als Risiko eingestuft. Aber sind sie wirklich ein Risiko oder liegt in ihrer Anwendung auch eine Chance für die Arztpraxis der Zukunft?

Risikomanagement ist nicht nur etwas für die Großen

Während des Partnerkongresses habe ich dann über den Chat nachgefragt und unterstellt, Risikomanagement klinge stets danach, was große Unternehmen so tun. Schließlich haben Konzerne oder Spitzenunternehmen im Mittelstand nicht nur viel zu gewinnen, sondern vor allem viel zu verlieren. Auch das sehen wir während der Pandemie, die als Risiko schlichtweg nicht existent berücksichtigt wurde, als wir nur sehr vage Aussagen dazu kannten. Oder gar nichts davon gehört haben (wollen).

Meine Frage, wie zum Beispiel eine Arztpraxis oder ein kleines und mittleres Unternehmen (KMU) sich dem Thema Risikomanagement nähert, wurde beantwortet.

Übrigens. Ein Blick ins Netz zeigt, dass es sich dabei um kein neues Thema handelt. Mit einem einrichtungsinternen Qualitätsmanagement sollte das Risikomanagement Teil der Praxisphilosophie sein. Hand aufs Herz. Ist es meistens nicht. Im Gegenteil. Als unbeliebtes Thema fristet das Risikomanagement ein Dasein in der Ecke der ungeliebten Qualitätssicherung der Prozesslandschaften einer Gesundheitseinrichtung und falls es doch vordergründig behandelt wird, fokussiert es sich eben nicht auf die aus dem Dschungel kommenden Risiken.

Schlaflose Nächte können helfen

Wer jetzt denkt, sich einem strukturierten Risikomanagement zu widmen, sei ein abstraktes und umständliches Thema, dem entgegnet der Experte man möge sich eine schlichte Frage stellen, um ein Indiz zu erhalten, wo man beim Risikomanagement in der Arztpraxis anfängt: Was macht mir schlaflose Nächte? Und falls man derzeit gut schläft, kann diese Frage auch als Konjunktiv gestellt werden. Was würde mir schlaflose Nächte bescheren?

Die Intuition ist ein guter Ratgeber. Aber natürlich kann das nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Die Frage nach dem, was uns schlaflose Nächte bereitet, dient dazu, Indizien zu finden, denen man mit strukturierter Kreativität und ihren Methoden begegnen kann.

Design Thinking ist eine solche Methode. In keinem Fall sollte man einfach mit einer Checkliste durch die Arztpraxis laufen. Das erinnert nicht nur an ungeliebte Qualitätsmanagementsysteme. Es wäre aufgrund dieser Vorgehensweise auch wenig zielführend. Ein gelebtes Risikomanagement entsteht im Rahmen einer echten Auseinandersetzung mit der Welt. Andere nennen es Arbeit. Arbeit, die sich lohnt und mithilfe geeigneter Kreativitätstechniken auch Freude an der Erkenntnis bringen kann.

Sprechen Sie mein Netzwerk und mich gern an, wenn Sie Praxisinhaber sind und sich kreativen Methoden zuwenden wollen, um einerseits die Innovationskraft und vielleicht auch das Risikomanagement in der Arztpraxis, die sie verantworten, auf ein neues Komplexitätslevel heben zu wollen.

Kreativität im Risikomanagement

Fluch oder Segen. Das Risikomanagement in der Arztpraxis beginnt mit der Erkenntnis, dass man nicht nur aus der Vergangenheit lernt. Auch, wenn man aus Schaden klug wird. Zukünftig könnte das zu wenig sein. Risikomanager beschäftigen sich mit den wesentlichen und kritischen Risiken und lernen dabei aus der Zukunft. Eine rückwärtsgewandte Nabelschau allein macht kein gutes Risikomanagement.

Und man sollte die Tugenden des Risikomanagements als Bisoziation begreifen. Also das bewusste Verbinden einer kreativen Auseinandersetzung mit einem potenziellen Risiko mit allen anderen innerhalb und außerhalb liegenden Bereichen einer Arztpraxis verknüpfen. Vielleicht sogar so weit gehen, dass absurde Überlegungen Einzug halten und die Essenz schließlich zu einer vollständigen Auseinandersetzung mit Risiko führt.

Das gilt auch für womöglich ganz fremde Aspekte, die zunächst nichts mit ihrer Praxis zu tun haben. Wir lernen das gerade unter der Pandemie. Viele Dinge, nicht nur das Virus, die am anderen Ende der Welt passieren, erreichen uns unmittelbar. Das betrifft z. B. Lieferketten wichtig benötigter Hilfsmittel im medizinischen Betrieb. Oder gibt es andere Risiken, die wir derzeit einfach ignorieren? Hier nennt Frank Romeike als Beispiele ein Black-Out-Szenario und einen Cyberangriff, die auch eine Arztpraxis der Zukunft betreffen können.

Sind Sie sattelfest in den Methoden, diesen Risiken zu begegnen? Was tun Sie aktiv, um Risikomanagement in der Arztpraxis als Teil ihrer Praxisphilosophie zu etablieren, ohne sich dabei hysterisch in Ängsten zu verrennen?

Widmen wir uns der Frage doch gern gemeinsam im Rahmen eines Zeitgeschenks, das ich jedem Leser auch für andere Themen in der Arztpraxis und der Frage, was schlaflos macht, ans Herz lege.

  1. Gefangen in der Risikowahrnehmungsgesellschaft auf zgv.info

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Die Anwesenheit des Internets als exogene Quelle für Veränderung und Wandel lässt die Gesundheitsbranche bedrohlich, unangenehm und teils überfordert aus der Stresstoleranz kippen. Deshalb findet man Frank Stratmann im Netz unter dem Pseudonym betablogr.

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