Wandern ist Kommunikation

Der sich ausbreitende Frieden konkurriert mit dem Wunsch, die Wanderung möge jetzt einfach so vorbei sein. Es reicht einfach. Doch Stehenbleiben oder schneller gehen, sind keine Optionen. Wandern ist Kommunikation.

Neulich habe ich die längste Wanderung meines Lebens unternommen. Die 52 Kilometer kamen mir abends vor wie 3 Wochen Erholung. Natürlich schmerzten die Füße. Doch ich war – auf eine neue Art und Weise – mit mir selbst in Kontakt getreten. In Güte und Qualität war das vergleichbar mit einer sehr langen Meditation. Und deshalb sage ich, Wandern ist Kommunikation.

Die Streifzüge durch die Natur sind Kommunikation mit mir selbst und mit der Welt in ihrer Gesamtheit. Auch zu zweit ist das erfahrbar. Gedanken werden sichtbar, für die man bis zu einem Zeitpunkt scheinbar blind gewesen zu sein schien. Viele Menschen glauben, Sie müssten beim Wandern und der inneren Einkehr etwas leisten. Mal abgesehen von der Kondition, die es braucht, um über 50 Kilometer mit Gepäck zu gehen, ist dem aber gar nicht so. Klar regt sich da Stolz, so eine Strecke gewandert zu sein. Doch das steht seitdem gar nicht mehr im Vordergrund. Es ist die innere Einkehr, die XL Wanderungen attraktiv machen. Ich muss nichts heben, was schon in mir wäre. Ich brauche mich nicht unter Druck zu setzen.

Vielmehr scheint es, als schicke Dir die Welt neue Ideen oder bietet Dir Eindrücke. Sie reicht Dir Erkenntnisse, mit denen dann umgehen kannst oder nicht. Und das alles kommt eben nicht aufgrund einer bestimmten Leistung aus Dir heraus, sondern Du erahnst ihr ureigenes Wesen und hörst (fast) ihren Herzschlag. Erst dann sind sie ein Geschenk, von dem du nichts wissen musst, woher es kommt.

Wenn ich sage Wandern ist Kommunikation, dann sind die damit verbundenen Erlebnisse wie Nachrichten. Botschaften, die Dir nur hörst, wenn du mal den Blick hebst und ohne Fluchtgedanken und Monitor kreativ bist und du dich nicht wie sonst mit der Welt auseinandersetzt.

Wanderungen und Audionotizen

Obwohl ich längere Strecken häufiger gehe, war es vor allem bei dem Gang über 50 Kilometer besonders erfahrbar. Meist strömt auf den ersten 10 Kilometern eine Flut an Ideen über mich hinweg und ich habe Jahre gebraucht, diese Ideen zunächst zu ignorieren. Sie schreien dich zwar an, du mögest Sie bitte irgendwo festhalten. Zum Glück ist Schreiben beim Wandern eher hinderlich.

Ich habe viele Audionotizen gemacht, die ich nie wieder angehört habe und ich will diese Technik ausdrücklich empfehlen. Denn sie leistet folgendes:

Du hast das Gefühl, die Idee verflüchtigt sich nicht. Sie ist wo und kann gegebenenfalls hervorgeholt werden, auch wenn du es nie wieder tun wirst und dieser Umstand dir schon während der Aufnahme bewusst ist.

, … und außerdem

Du sprichst aktiv zu Dir selbst, musst die Idee artikulieren, ihr also eine Form verleihen. Du erklärst dir also dein eigenes Denken und so kann es vorkommen, dass schon während du die Idee aussprichst, die Erkenntnis in dir reift, wie wenig durchdacht der beste aller Einfälle eigentlich ist.

Ich habe unendlich viele Audionotizen, die ich nie wieder angehört habe. Meist lösche ich sie später einfach so, ohne mich weiter für sie zu interessieren. Falls ich mich an sie erinnere, hat die Artikulation ihren Dienst erwiesen.

Wandern als Übung für Achtsamkeit

Nachdem diese Ideenflut nachlässt, wird es etwas ruhiger. Ich wende mich der Natur zu, kann assoziativ eher gelockerte Gedanken und Überlegungen schon im Entstehen bewerten und sie ziehen lassen. Doch zum Schluss dieses Beitrags möchte ich gern die Erfahrung teilen, was passierte, als die 40-Kilometer-Marke hinter mir lag. Es wurde gänzlich still. Nichts mehr. Gar nichts.

Eine innere Zufriedenheit stellte sich ein, wie ich sie kaum kannte. Trotz schmerzhafter Füße, ausgelaugten Beinen und immer noch über 10 Kilometer Weg vor mir, erreichte ich einen Zustand, der mich einfach nur sein ließ. Viele schaffen das mit Meditation. Auch ich nutze die Meditation hin und wieder. Doch während die Meditation vor allem den Atem zentriert, bietet das Wandern einen anderen Takt. Während eine Meditation je nach Erfahrung einige Minutenoder länger dauert, nimmt eine XL Wanderung, bei der man möglichst wenig Menschen trifft und auf Geselligkeit verzichtet, mindestens 8 Stunden Deiner Zeit in Anspruch. Egal wie stressig Dein Leben vor der Wanderung war. Frieden ist wohl das Wort, das den Zustand in dieser Phase am besten beschreibt.

Obwohl – und das ist wichtig, es hier deutlich zu unterstreichen; der sich ausbreitende Frieden konkurriert mit dem Wunsch, die Wanderung möge jetzt einfach so vorbei sein. Es reicht einfach. Doch Stehenbleiben oder schneller gehen, sind keine Optionen. Es bleibt die Erkenntnis, der Weg ist das Ziel. Schritt für Schritt muss absolviert werden und letztlich obsiegt der Frieden.

Als ich an diesem 10. Mai 2020 nach Hause kam, war ich im wahrsten Sinne des Wortes angekommen. Ich genoß das Privileg, diesen Abend allein ausklingen lassen zu dürfen, versorgte mich und fiel in einen tiefen Schlaf. Die darauffolgende Woche war von Klarheit in meinen Gedanken geprägt. Ich konnte einige wichtige Entscheidungen treffen und hatte auch wieder Lust, zuletzt eher inflationäre Tätigkeiten zu unternehmen.

Wenn Du Wandern ist Kommunikation erleben willst, nutze doch mein Zeitgeschenk, damit wir uns besser kennen lernen. Stille doch bei Gelegenheit meine Neugierde, was du darüber denkst. Wandern ist Kommunikation kannst Du mit mir erleben. Gern fangen wir auch kleiner an und tasten uns gemeinsam vor. Ich biete Wandern ist Kommunikation im Rahmen meiner Mentoring-Programme an. Was ist Dein Thema? Ich bin neugierig, mehr zu erfahren. Und folge mir gern auf Instagram. Dort teile ich regelmäßig Eindrücke von meinen Wanderungen und Ausfahrten zwischen Waldroute, Höhenflug und Rothaarsteig.

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