Heute hatte ich eine Begegnung, in deren Verlauf ein interessanter Aspekt aufgeworfen wurde, wenn es um die Aufgeschlossenheit bezüglich Sozialer Medien geht. In diesem Fall ging es um Instagram. Obwohl. Vorher um Bildbearbeitung auf dem Smartphone.

Nachdem ich erzählt habe, mit welcher Bildbearbeitung ich den Drama-Effekt im Foto zu diesem Blogpost mache und ich außerdem zeigte, was aus dem selben Bild wird, wenn man es mit der Prisma App neu gestaltet, sagte meine Gesprächspartnerin: „Das lass ich besser bleiben. Ansonsten siehst Du nur noch solche Bilder von mir auf allen Kanälen!“

In diesem Augenblick begriff ich, dass sich viele Menschen, die sich der Nutzung von Sozialen (Bilder-)Netzwerken verschließen, tief in sich möglicherweise eine ganz andere Begründung finden als die, die sie offensiv zur Schau tragen. Meist hört man dann ja: „Das interessiert mich alles nicht. Fotografiert Ihr mal schön weiter Euer Essen. Ohne mich. Und überhaupt. Warum sollte ich auf die Idee kommen, mein Leben mithilfe von Fotos vor jedermann Füße auszubreiten. Wo kommen wir denn da hin!? Das soll ja alles nicht sicher sein und hinterher wissen diese Dienste mehr über mich als ich von mir selbst!“

Ja. So kann man argumentieren. Aber die digitale Transformation analoger Fotoalben zu einem sozialen Dialog, an dem sogar Unbekannte teilnehmen dürfen, ist eigentlich nur die äußerste Schwundstufe dessen, was wir in den nächsten Jahren erleben werden.

Deshalb bin ich dankbar um die Ehrlichkeit, die mir meine Gesprächspartnerin heute schenkte. Sie offenbarte mir, dass sie sich vor der Faszination schützt. Denn sie kennt sich selbst sehr gut und weiß einzuschätzen, dass sich die Dinge verändern würden, wenn ihre Leidenschaft für Fotobearbeitung mit dem Smartphone erst einmal geweckt wäre. So jedenfalls scheinen viele Argumente, die wir gegen die Nutzung Soziale Medien hören, eigentlich sagen wollen: „Ich weiß, dass ich mich redlich bemühen muss, meinen Fokus nicht zu verlieren. Ich bin da anfällig und bringe mich so möglicherweise in Schwierigkeiten. Es genügen schon ganz einfache Dinge, mich abzulenken und wenn ich mich da in etwas verrenne, dann leiden andere für mich wichtige Aspekte im Leben.“

Wow. Das akzeptiere ich gern. Jeder auf seine Art. Natürlich gäbe es Wege, Faszination als Inspiration in das Alltägliche so einzubauen, das damit nicht gleich der Weltuntergang provoziert würde. Ich verstehe aber auch, dass der Tag für viele Menschen 24 Stunden hat und die Prioritäten manchmal anders liegen, als sich mit den Faszinosen unserer Zeit zu beschäftigen. Manchmal gibt es wichtigeres.

Was für ein Privileg, sich mit den Errungenschaften unserer spannenden Zeit beruflich beschäftigen zu dürfen.

Natürlich bin ich bei Instagram angemeldet. Ihr findet mich unter meinem Pseudonym betablogr.

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