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WDR Quarks heute zur Digitalen Praxis

Das Stehlen von Daten als potenzielle Gefahr wird zu nah an die sehr aufwendige und gezielte Sabotage eines einzelnen, bereits eingesetzten Implantats gerückt.

Das Wissenschaftsmagazin behandelt seit einiger Zeit zunehmend digitale Themen. Die Programmvorschau besagt, dass man heute ab 15 Uhr die Digitale Praxis näher beleuchtet. Schon 2017 hatte der WDR 5 den Digitalen Hausarzt im Programm.

Worum es in der Sendung geht?

Die an Verbraucher gerichtete Sendung widmet sich zunächst der Datensicherheit und dem Verzicht einiger Ärzte, sich an die Telematikinfrastruktur anzuschließen. Kritik besteht darin, dass der Konnektor für die TI mit dem internen Praxisnetz zusammenarbeiten muss.

Im Anschluss wird die elektronische Patientenakte besprochen und die zukünftigen Funktionen skizziert. Die Kritik der Sendung richtet sich an die mangelnde Vorbereitung der Ärzteschaft, die ihrerseits vieles an dem Vorgehen der Bundesregierung kritisiert.

Logisch wird das zum 01.01.2021 fehlende, fein granulierte Berechtigungsmanagement besprochen. So wie es zurzeit läuft, sind die Krankenkassen ziemlich unglücklich, meint die Sendung.

Auch die Weiterleitung von Abrechnungsdaten zu Forschungszwecken an den GKV-Spitzenverband wird kritisiert. Die geplante Pseudonymisierung der Daten reicht vielen nicht. Anonymisierte Daten jedoch wären nicht gleichwertig nützlich.

Angst machen vor Teilnahme am Implantateregister

Die Teilnahme der PatientInnen an Implantat-Registern wird erläutert und auch hier wird kritisiert, dass im Sinne der Qualitätssicherung und Nachvollziehbarkeit Patientendaten ohne Widerspruchsrecht gespeichert würden.

Das in der Sendung präsentierte Szenario, den Herzschrittmacher z.B. eines Politikers per Funk ausschalten zu können, klingt zunächst utopisch, ist aber technisch möglich, weil moderne Herzschrittmacher über Schnittstellen verfügen, um z.B. Daten verschlüsselt weiterzugeben oder mittels Smartphone im Takt gehalten zu werden.

Was der Beitrag vermissen lässt und jegliche Risikoeinschätzung durch Hörer, Bürger und Versicherte vereitelt: Das Stehlen von Daten als potenzielle Gefahr wird zu nah an die sehr aufwendige und gezielte Sabotage eines einzelnen, bereits eingesetzten Implantats gerückt. Zwar muss man unterstellen dürfen, dass Straftaten im Digitalen häufig auch willkürlich durchgeführt werden. In etwa als Use-Case, um zu prüfen, was möglich ist.

Das gezielte Manipulieren eines einzelnen Herzschrittmachers in Reichweite zur tragenden Person ist technisch nicht aus der Luft gegriffen, würde allerdings ein besonderes Maß einer ziellosen kriminellen Energie voraussetzen, die weder grundsätzlich noch massentauglich wäre. Digitale Straftaten mit Daten richten sich immer über den Zufall einer kritischen Masse an ihre Opfer.

Es klingt nach Science Fiction, verschlüsselte und pseudonymisierte Daten zu stehlen, um daraus den Zugang zum Implantat einer einzelnen wichtigen Persönlichkeit zu rekonstruieren, um damit dann unter weiterem technischen und organisatorischen Aufwand einen gezielten Angriff durchzuführen.

Keine verbraucherorientierte Auseinandersetzung

Die Wahrscheinlichkeit vom Blitz getroffen zu werden, ist um ein Vielfaches höher und davor schützt man sich im Vertrauen zu jenen, die einen Blitzableiter auf dem Dach installiert haben. Genauso, wie sich die Sicherheitskonzepte vor allem mit den Gefahren und ihrer Kreativität weiterentwickeln und nicht alle Gefahren zuvor absehbar wären, um sie schon vor einer wertvollen, weil digitalen und menschlichen Weiterentwicklung des Gesundheitsgeschehens zu eliminieren.

Der Beitrag zeigt einmal mehr, dass mit blindem Alarmismus falsch-positiv informiert wird. Kaum ein Verbraucher kann die Gefahr nach dem Beitrag besser einschätzen. Im Gegenteil. Die aufgrund fehlender Digitalkompetenz geschürte Unsicherheit nimmt auch den letzten Hinweis einer Orientierung, was bei den Menschen zu einer digitalen Desillusionierung führt und letztlich zur unreflektierten Partizipation am digitalen Leben in einer vernetzten Gesellschaft. Das verhindert eine verbraucherorientierte Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Gefahren, die von der Digitalisierung ausgehen.

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betablogr

betablogr

Die Anwesenheit des Internets als exogene Quelle für Veränderung und Wandel lässt die Gesundheitsbranche bedrohlich, unangenehm und teils überfordert aus der Stresstoleranz kippen. Deshalb findet man Frank Stratmann im Netz unter dem Pseudonym betablogr.

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